Mal wieder der „Milliardenmarkt“ Kinderpornografie

Sehr geehrte Frau Pohl,

in einem Kommentar für den DLF sprechen Sie für die TAZ von einem Milliardenmarkt zum Thema Kinderpornografie, an dem 250.000 Deutsche beteiligt seien. Das Marktvolumen umfasse rund 20 Milliarden Euro. In welchem Zeitraum? In einem Jahr? Dann scheinen es ja nur die 250.000 reichsten Deutschen zu sein, die sich solche immensen Ausgaben leisten könnten. Immerhin wären es einige Tausend Euro hin oder her, die jede der betreffenden Personen für den Erwerb von kinderpornografischem Material großzügig ausgibt.

750.000 Pädöphile seien zudem weltweit in jeder Sekunde (!) Online. Woher stammen diese Zahlen? Wie und durch wen sind sie belegt?

Die von Ihnen genannten 20 Milliarden (!) sind zudem eine Rekordzahl. Bislang war immer von 16 Milliarden die Rede. Auf welche Experten, die Sie leider nicht nennen, beziehen Sie sich daher? Welche (neueren) Untersuchungen können vorgewiesen werden, die auch nur annähernd in solche Dimensionen kommen?

Das BKA hat mir gegenüber einmal mit Mühe und Not 6 Millionen eingeräumt. Das wären immer noch 6 Millionen zuviel. Der Betrag wäre aber doch einige Nullen von einer Milliarde, geschweige denn von 20 Milliarden, wie auch von Realität und Wahrheit entfernt.

Das gewiss unverdächtige kriminologische Institut der Universität Hannover fand im Auftrag des damaligen Innenministers KEINE Belege für Ihre Vermutung. Ich wäre also dankbar, wenn Sie Ihre offensichtlich neuen Erkenntnisse und Quellen, bis hin zu den „sekündlichen Hunderttausenden von Pädophilen“ im Netz belegen.

Konkret: Auf wen und was und auf welche Untersuchungen beziehen Sie sich also?

Mit freundlichen Grüßen und bestem Dank

Jörg Tauss

PS:

Sollte sich jemand seriös mit dem Thema beschäftigen wollen verweise ich auf tauss-gezwitscher:

„Hysterische Gesetzgebung“  v. 20. 2. 14 http://www.tauss-gezwitscher.de/?p=3939

„Was juckt ein BKA Fakten?“ v.  25. 11. 10 http://www.tauss-gezwitscher.de/?p=1492

9 Gedanken zu „Mal wieder der „Milliardenmarkt“ Kinderpornografie

  1. Stauner

    Ich bin eben dem Link zum Kommentar gefolgt und staune: In einer Fußnote heißt es:

    (*) Anmerkung der Online-Redaktion: Der Kommentar wurde nachträglich auf Wunsch der Autorin geändert.

    und sicherheitshalber wurde auch die Tonkonserve mit der Dame abgeklemmt.

  2. deltongo

    Ines Pohl hat sich korrigiert. Die 20 Mrd. € beziehen sich auf den globalen Markt. Entsprechend steht es jetzt auch beim DLF. Woher aber auch diese Zahl kommt, ist offen.

  3. meykosoft

    Frau Pohl schreibt zudem, in jeder Sekunde seien weltweit 750.000 Pädophile online, sagen die Experten. (*) Der Markt ist riesig. Und die Betreiber dieser Foren schrecken vor nichts zurück, um ihr Geschäft am Laufen zu halten.

    Also davon abgesehen, dass mir jeder Einzelne zuviel ist, gerade bei diesem Thema ist jedwede masslose Übertreibung wirklich nicht sinnvoll oder notwendig.

    Holländer Computer-Freaks haben im vergangenen Jahr mit dem täuschend echten Lockvogel „Sweetie“, weltweit innerhalb von zehn Wochen „nur“ 20.000 Besucher gehabt, wovon ca. 1000 Internetuser -Ihre Daten wurden mittlerweile der Polizei übergeben- Geld dafür bezahlt hätten, wenn „Sweetie“ sich erotisch gezeigt oder berührt hätte.
    http://www.youtube.com/watch?v=0SvKPJ3Yi6I

    (Kommentarzweitverwertung…)

  4. smorgasbroed

    Genau, die Pädo-Leistung wäre das dann, oder? Gäbe es dann auch die Pädo-Arbeit. Das korreliert man dann mit den Umsatz-€ und hätte dann mal ne Dimension für nen Stundenumsatz unter der Annahme eines geregelten Arbeitstages von 8h. Ich gehe davon aus, dass das alles sehr unrealistische Dimensionen annimmt.

  5. jemand

    Interessante Einheit auch: Pädophile pro Sekunde.
    Interessanter wäre doch die Kombination, also Pädophilen-Sekunden (wie Volt-Ampere, nicht wie Stundenkilometer)

  6. Graf Zahl

    Wenn in jeder Sekunde 750000 Pädophile online sind, macht das in einem einzigen Jahr 23,65 Billionen Pädophile!!!! War für ein riesiger Markt!!!

  7. free

    Nachtrag:
    Vor allem aber auch wenn durch solche Fehlinformationen Mittel für den Kinderschutz in komplett unnütze Kanäle fließen und dadurch nicht mehr, sondern weniger Mittel zum tatsächlichen Schutz von Kindern vor Missbrauch zur Verfügung stehen.

  8. free

    Krass,
    sowas und dann noch von jemand der für die taz schreibt?
    Wenn das nicht nur ein Zahlendreher ist, was ja bei Journalisten überproportional häufig vorkommt, dann müsste dies doch eigentlich unter § 130 Volksverhetzung fallen oder liege ich da falsch?

  9. Michael Schwarz

    Der Zeitraum wird auch genannt:
    „Im vergangenen Jahr haben 250.000 Deutsche rund 20 Milliarden Euro für Bilder und Filme mit nackten Kindern ausgegeben.“

    20.000.000.000 € / 250.000 = 80.0000 €

    Im Jahr 2013 hat jeder einzelne diese Großverdiener 80.0000 € „für Bilder und Filme mit nackten Kindern ausgegeben.“

    Da hat Frau Pohl wohl vergessen die Zahlen mal auf Papier aufzuschreiben, um sich die Dimensionen zu verdeutlichen. Aber nun gut, sie kommt ja aus der Copy&Paste-Branche, da schaut man nicht so genau hin.

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