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Untoter von Merkels Gnaden

5. Januar 2012

Victor5679 (CSU) aus Bayern twitterte ziemlich einsam: Ein guter Tag für Wulff. Er meinte damit nicht die knappe Mehrheit in der schon damals verkorksten Bundesversammlung bei dessen Wahl. Sondern tatsächlich das gestrige Interview, weil zwei öffentlich-rechtliche Frager vergeblich versuchten, einen Pudding an die Wand zu nageln. Wulff wusste, warum er sich schon vor Weihnachten keinen Nachfragen oder jetzt gar der Bundespressekonferenz stellte. Deppendorfs beste Zeiten sind offensichtlich auch längst vorbei. Unseren weinerlichen Bundespräsidenten hätte gestern der Volontär eines Anzeigenblatts schlachten können.

In Ermangelung von Inhalten der präsidialen Erklärungen wurde auf twitter beiläufig so auch mehr die Frage diskutiert, wie man es mit dem Bezahlen bei Freunden hält. Ich zahle auch nicht, wenn ich mich dort mal wieder eingenistet habe. Aber ich zeige mich erkenntlich. Mindestens mit der Bezahlung eines guten gemeinsamen Abendessens. Womit zeigt sich ein Bundespräsident erkenntlich?

Mit Kontakten. Gesellschaftlich WAR es zumindest Gold wert, im engeren „Freundeskreis“ eines Wulff zu sein. Nicht verwunderlich, dass der keine Freunde außerhalb der Wirtschaft zu kennen scheint. Korruption in der Politik findet weniger häufig als angenommen mit dem Geldkoffer statt. Auch jüdische Vermächtnisse sind nicht mehr das was sie mal waren. Netzwerke sind entscheidend. Mit ihnen kommt man hoch. Dass Wulff zur Anden-Connection gehörte ist kein Zufall. Er kann nur Netzwerk. So kommt es zu WinWin-Effekten. Wulff musste bei der BW-Bank gar nicht erst die Porsche-Karte ziehen. Die Bank weiß, welchen Einfluss Niedersachsen bei VW hat. Und welchen Einfluss Wulff in Niedersachsen und bei VW hat. Und deshalb schaut der Sachbearbeiter sofort nach den günstigsten Konditionen und noch bevor der Chef nach dem Motto kommt: Der Herr Bundespräsident hat bei uns um Kredit gebeten? Und Sie boten ihm Lieschen- Müller-Konditionen an? Sind Sie bescheuert?

Und genau hier kommt Wulff ins Spiel: Er weiß was die übliche Marktzinsen für eine Baufinanzierung sind. Und er kennt dieses Spiel. Daher hätte er sagen MÜSSEN, danke, gerne günstige Konditionen. Aber bitte am Schnitt orientiert. SO vermeidet man Verdacht. Aber das ist nicht die Denke des kleinbürgerlichen Raffzahns aus Großburgwedel. Mitnehmen was man mitnehmen kann, heißt die Devise. Egal ob Upgrade oder private Urlaubsvilla. Oder die Werbefinanzierung eines Buches pünktlich zur Landtagswahl. So wird man abhängig.

Lieber Herr Wulff, könnten Sie mich mal bei Herrn Piech vorstellen? Gerne doch, lieber Freund. LIeber Herr Wulff, wir haben ein Problem. Könnten wir da nicht mal mit XY ins Gespräch kommen? Klar doch. Oder ein Aufsichtsratsmandat, gerne!

Genau so laufen die geldwerten Vorteile, wenn man Kumpan eines wichtigen Menschen ist. Und wenn man mal nicht will, dass schon der Sparkassen-Azubi von derart freundschaftlichen Abhängigkeiten etwas mitbekommt, dann macht man‘s halt über die Ehefrau. Das alles ist natürlich nicht strafbar. Aber es beschädigt ein Amt. Und es sagt alles über den Amtsinhaber.

Wulff ist verbrannt. Seine „Freunde“ werden schlagartig weniger. Um ihn herum wird es einsamer. Sollte er es je vorgehabt haben: Er wird keinem von Angela Merkel gewollten Gesetz je die Unterschrift verweigern können. Wulff ist nur noch ein Bundes Zombi von Merkels Gnaden. Ein untoter Bundespräsident. Er kann seiner Mailbox entnehmen, was er zu tun hat.

Ach so: Einen tollen Demokratietag für Jugendliche plant er im Herbst auch noch. Was will er denen eigentlich sagen?

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