Monatsarchiv für Juni 2010

Maut: Lizenz zum Gelddrucken……

Jörg Tauss 21. Juni 2010

Jede Maut- Brücke an der Autobahn erinnert mich daran, dass das Thema Maut und Schadensersatz des Mautkonsortiums noch immer nicht erledigt ist. Vor jetzt genau zwei Jahren tagte das “Schiedsgericht” zum Mautvertrag zum letzten Mal (Juni 2008). Dies ist der aktuelle Anlass, sich an dieser Stelle wieder einmal der Vorgänge  anzunehmen.

Man erinnert sich: Damals forderte der Staat vollmundig Schadensersatz von den Daimlers und Telekoms, die das System nicht rechtzeitig in Betrieb setzen konnten. Daraus wurde wegen des dilettantisch formulierten Vertrags zu Lasten des Staates bis heute nichts.

Aus Steuergeldern wurden statt dessen wegen dieser vermeintlichen Milliardenforderungen und infolge des hohen Streitwerts Millionenbeträge an Anwälte (man spricht von rund 60 Millionen!) ausgeschüttet. Der Vertrag selbst wurde jedoch bis heute mit Hinweis auf dieses “laufende”  (besser formuliert: ruhende) Schiedsverfahren selbst gegenüber dem Bundestag geheim gehalten.

Durch glückliche Umstände konnten die rund 17.000 Seiten (!) dennoch in weiten Teilen bei wikileaks veröffentlicht werden. Außer dem stern und heise hat sich aber keine unserer investigativen Redaktionsstuben dafür interessiert. Und so funktioniert das Selbstbedienungssystem des Mautkonsortiums zu Lasten der Steuerzahler weiter blendend….Kein Schadensersatz und eine hohe Rendite (ca, 19%), wie es damals der stern nach Veröffentlichung der Seiten errechnet und heise berichtet hat

http://www.heise.de/newsticker/meldung/LKW-Maut-Wikileaks-veroeffentlicht-geheime-Maut-Unterlagen-868208.html:

Der Skandal geht weiter. Oder wie soll man diese Vorgänge sonst nennen? Peinlich ist der Bundesregierung jedoch nur die Veröffentlichung der Verträge. Man befürchtet Schadensersatzforderungen – ausgerechnet durch das Mautkonsortium…

http://www.heise.de/ct/meldung/LKW-Maut-Strafbarer-Verrat-durch-Wikileaks-874385.html

Zur Arbeit der Enquete Internet

Jörg Tauss 14. Juni 2010

Aktualisiert am 17. 6. Am Welttag des Strickens (14.6.) tagte die Enquetekommission zum Thema “Netzneutralität”. Viel herumgestrickt am Thema wurde im Vorfeld leider nicht. Insofern scheint die Arbeit wirklicher  Strickerinnen etwas fundierter zu sein.

Vollmundig hatte die Fischer/Dörmann- Enquete bereits mit deren Einsetzungsantrag verkündet, die “Öffentlichkeit in besonderem Maße” einbeziehen zu wollen. Von ganz neuen Formen “virtueller Bürgerbeteiligung” war die Rede. Nun: Zumindest zu dieser ersten Sitzung mit einem wesentlichen Fachthema ist davon nichts mehr zu verspüren.

Weder haben sich die Fraktionen der Mühe unterzogen, grundsätzlich vorab Position zu beziehen noch gibt es irgendwelche Hinweise auf die internationale Debatte. Kein Mitglied der Enquete beteiligte sich an der Forumsdiskussion. Zu Beginn der Sitzung wurden diese Beiträge kurz zusammengefasst. Im Nachhinein bin ich ja froh, dort einige Fragen gestellt zu haben. Sonst hätte der arme Berichterstatter zu Beginn der Sitzung wenig Material zur Berichterstattung gehabt.

Ansonsten wurde vorbereitend nur ein (in der Sache korrektes aber dünnes) Papier des wissenschaftliches Dienstes des Bundestages (ohne Link) der staunenden Öffentlichkeit zur Diskussion hingeworfen:

http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2010/Netzneutralitaet.pdf

Erstaunlich, dass sich da wie ausgeführt sogar einige wenige Menschen bereit zeigten, wie sich wie ich im Forum der Enquete zu Wort zu melden. Das war es dann aber auch. Insbesondere von der FDP, die ja bekanntlich im Wirtschaftsministerium ein Ministerle Brüderle stellt, hätte man seitens ihrer “Open Enquete” ja etwas erwarten können. Nichts dergleichen. Auch die Sachverständigen sind weitgehend auf Tauchstation.  Eine Ausnahme macht, wenngleich nur technisch und reichlich unpolitisch, Beckedahl auf

http://www.netzpolitik.org/2010/eine-definition-von-netzneutralitaet/ .

Zumindest auf der Webseite des Bundestages ist bislang weder er noch eine(r) der Sachverständigen mit diesem Thema präsent. Dass dies erst recht für die Abgeordneten gilt, muss als blamables Randereignis kaum kommentiert werden.

In seinem Blog hat wenigstens Rechtsanwalt Thomas Stadler die eigentlich wichtige Frage STAATLICHER Netzneutralität aufgeworfen. Dafür bin ich sehr dankbar, weil sich die Debatte bislang zu stark auf die Provider fokusiert hat.

http://www.internet-law.de/2010/06/netzneutralitat-2.html

Ich bin gespannt, wie die Enquete mit dieser grundsätzlichen Frage, wenn man sich überhaupt damit beschäftigt, umgeht.

Ansonsten plätscherte die Sitzung zur Netzneutralität im Wesentlichen mit dem Verlesen von Statements so vor sich hin:

Erwartungsgemäß trafen ohne klare politische Signale die unterschiedlichsten Interessen von Wirtschaft und Fraktionen aufeinander. Während die Wirtschaftsvertreter von 1&1 (Osthaus) bis hin zu Bitkom (Rohleder) und sogar ein Wissenschaftler (Weinhardt, KIT Karlsruhe) klare Priorisierungen in den Netzen forderten und dies sogar für “innovativ” hielten, wurde dies vom CCC (Kurz), padeluun und Alvar Freude, der für die SPD das erste Rederecht erhielt, zurückgewiesen. Kurz ging am weitesten, indem sie ein “Grundrecht auf Netzneutralität” forderte.

Die Abgeordneten verhielten sich erwartungsgemäß eher zurückhaltend und begnügten sich wie Jimmi Schulz (FDP) mit allgemeinen Appellen: “Ein gemeinsames Verständnis des Begriffs (Anm.: Netzneutralität) sei notwendig.” Wer wollte dem widersprechen?

Doch kein Beobachter hatte den Eindruck, dass von dieser Enquete oder dem Deutschen Bundestag in Richtung Europa für Deutschland irgendein Signal in Richtung Netzneutralität ausgehen wird. Aber man trifft sich jetzt wenigstens in einer Arbeitsgruppe, deren Protokoll veröffentlicht werden soll. Wie schön!

Weiterhin gibt es übrigens auf netzpolitik.org einen Bericht über das Ergebnis der Klausurtagung vom 18. Mai, der aber gleichfalls mehr Fragen offen lässt, als dass er Antworten gibt:

http://www.netzpolitik.org/2010/bericht-von-der-klausur-tagung-der-enquete-kommission/

Schon jetzt (!), bevor es überhaupt richtig losgeht, wird die Öffentlichkeit von diesem Teil der Enquetearbeit ausgeschlossen. An sie wird bei diesen Projektgruppen aber offensichtlich nicht gedacht. Sie sollen ungestört (von wem??) arbeiten. Dabei würde sich gerade deren Arbeit für einen breiten öffentlichen Diskurs anbieten. Meine Kritik auf twitter wurde aus dem grünen Bundestagsumfeld als “Gemotze” kritisiert. Selbst die Protokolle der Sitzungen würden veröffentlicht. Ist die (eigentlich selbstverständliche) Veröffentlichung von Protokollen tatsächlich das höchst vorstellbare Maß an Bürger”beteiligung” für die Grünen?

Unbeantwortet blieb die Frage, wie sich die Parteien zu diesem Vorgang gestellt haben. Wer war für Öffentlickeit? Bisher hat sich lediglich die Linke “geoutet”….Vermutlich war sie es alleine.

Ich habe dann im Vorfeld der Sitzung an den Bundestag noch ein paar Fragen gestellt: Beispielsweise, wie er sich die “neuen Formen virtueller Bürgerbeteiligung” an der Enquetearbeit tatsächlich vorstellt. Viel NEUES war bislang wie ausgeführt nicht feststellbar. Die Union sprach bei der Einsetzung vom “Bürger als 18. Sachverständigen”. Nun sitzt der tatsächlich unerwünschte Bürger schon anlässlich der ersten Sitzung wieder einmal mehr nur auf der Tribüne.

Interessant bleibt daher, wie sich die eingesetzten Projektgruppen zu den Themen Netzneutralität, Urheberrecht und Datenschutz zusammensetzen, wie deren Arbeit geplant ist und wie sich die “Geheimhaltung” und Nichtöffentlichkeit begründet. Denn gerade bei diesen Themen böte sich ein “Call for Papers”, eine breite Einbeziehung von Experten und Betroffenen an. Die schrecklich altbackenen Reden Ulrich Wickerts und der Justizministerin zum 3. Korb einer Urheberrechtsreform an diesem Tag zeigen den gesellschaftlichen Bedarf für eine solche Debatte auf. Die Enquete läuft aber wie befürchtet Gefahr, ihre wenigen Chancen schon am Anfang zu vertun.

Von Ruhrbaronen und anderen Journalisten

Jörg Tauss 10. Juni 2010

Ja: Ich habe Fehler gemacht. Ja: Ich bin (wenn auch nicht rechtskräftig) verurteilt. Ja: Ich habe kinder- und jugendpornografisches Material als Eintrittskarte in die “Szene” besessen. Ja: Das Gericht hat ein “persönliches” Interesse unterstellt und kein dienstliches Interesse und nochmals Ja: Für den Nachweis eines sexuellen Interesses war ich zu “atypisch” was Menge, die Bilder selbst und mein Verhalten anlangt. Das sind zunächst einmal die Fakten, über die eine unabhängige Presse berichten kann, darf und muss.

Ja: Ich bin auch offensichtlich eine Person des öffentlichen Interesses und deshalb schlagen die Wogen wohl höher, als bei nicht vergleichbaren Fällen in anderen Parteien oder Institutionen. Deshalb landet mein Fall auch im großen Schwurgerichtsfall vor dem Landgericht und nicht vor einem Amtsrichter. Den ganzen Beitrag lesen »

Ein paar Tage Auszeit

Jörg Tauss 2. Juni 2010

Liebe Mitzwitscherer,

wie angekündigt, bin ich ein paar Tage “offline”. Da ich meine Radtour auch ein bisschen vom Wetter abhängig mache, ist nicht sicher, inwieweit und wo ich ggf. tauss-gezwitscher verfolgen kann. Ich bitte also um Verständnis, wenn Kommentare nicht wie gewohnt freigeschaltet und kommentiert werden können.

Das nächste Mal, irgendwann um den 8.6. herum, zwitschere ich zum Thema Medien und Ruhrbarone.

Jörg Tauss