{"id":4698,"date":"2019-12-12T18:12:47","date_gmt":"2019-12-12T17:12:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=4698"},"modified":"2019-12-12T18:13:48","modified_gmt":"2019-12-12T17:13:48","slug":"thomas-cook-pleite-bei-110-millionen-ist-schluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=4698","title":{"rendered":"Thomas-Cook-Pleite: Bei 110 Millionen ist Schluss"},"content":{"rendered":"\n<p>Nicht nur @skeptikaa wunderte sich bei Twitter: <em>\u201eDie Bundesregierung erw\u00e4gt, an die Gesch\u00e4digten der Thomas-Cook-Pleite 300- 500 Millionen \u20ac zu zahlen. Geld ist offenbar genug da. Nach welchen Kriterien die eben mal ein paar hundert Millionen rausschmei\u00dfen d\u00fcrfen die ruhig erkl\u00e4ren.\u201c <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese berechtigte Frage ist allerdings leicht zu beantworten: Einmal mehr kommt der steuerzahlenden Normalbev\u00f6lkerung gesetzgeberische Schlamperei und voraussichtlich schlichter Lobbyismus teuer. In allen anderen EU- Staaten ist dies eben nicht der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Eigenlob der Bundesregierung, sie lasse die<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/pressemitteilungen\/bundesregierung-laesst-thomas-cook-kunden-nicht-im-regen-stehen-1705836\"> \u201eThomas-Cook-Kunden nicht im Regen stehen\u201c<\/a> macht sich zur Adventszeit zwar gut, ist aber auch nur Teil der Wahrheit. Denn die Haftungsbegrenzung von Reiseveranstaltern und deren jeweiligen Ausfallversicherungen auf 110 Millionen Euro in Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie war eine politische Entscheidung <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__651r.html\">(\u00a7 651r BGB). <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der prompte Verweis der CDU\/CSU- Bundestagsfraktion  auf ein Versagen des fr\u00fcheren Justizministers Heiko Maas (SPD) ist somit wohlfeil. Es ist nicht bekannt, dass sich der schwarze Teil der Koalition vehement daf\u00fcr eingesetzt h\u00e4tte, diese Grenze zur Vermeidung von Risiken nach oben zu schieben. Ganz im Gegenteil. Eine verbesserte Insolvenzregelung auf <a href=\"https:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/19\/085\/1908565.pdf\">Antrag der Gr\u00fcnen<\/a> wurde noch im Februar des Jahres mit schwarz &#8211; roter Koalitionsmehrheit im Bundestag abgelehnt, <\/p>\n\n\n\n<p>. Und dies, obgleich Fachleute wie die Touristikerin <a href=\"https:\/\/bnn.de\/nachrichten\/wirtschaft\/touristikerin-marija-linnhoff-ueber-pleite-von-thomas-cook-meine-warnung-interessierte-fast-niemanden\">Marija Linnhoff<\/a> vom <a href=\"http:\/\/vusr.de\">Verband unabh\u00e4ngiger Reiseb\u00fcros<\/a> bereits damals forderten, <em>\u201eauf Thomas Cook aufzupassen\u201c. <\/em>Solche Warnungen verhallten im parlamentarischen und ministeriellen Alltagstrott ungeh\u00f6rt. <\/p>\n\n\n\n<p>Und somit ist auch klar, dass f\u00fcr den laut Bundesregierung als \u201eunwahrscheinlich\u201c eingesch\u00e4tzten Fall eines h\u00f6heren Schadens nur noch die Staatshaftung bleibt. Bei ihrer fr\u00fcheren optimistischen Beurteilung lie\u00dfen sich Regierung und Parlamentsmehrheit fahrl\u00e4ssig von der H\u00f6he fr\u00fcher bekannter Insolvenzen von Reiseveranstaltern, damals wohl 30 Millionen, leiten. <\/p>\n\n\n\n<p>Insofern ist auch der von der Bundesregierung beschworene \u201eungewisse Ausgang\u201c einer Prozesslawine, welche die Kunden mit Sicherheit angesto\u00dfen h\u00e4tten, nur eine weiterer kleinerer Teil der Wahrheit. Denn die Rechtslage zu Lasten des Staates allein aufgrund der unzureichend umgesetzten EU- Richtlinie ist so klar wie die ber\u00fchmte Klo\u00dfbr\u00fche: Der Bund, und somit wir alle, hat zu zahlen. Punkt. <\/p>\n\n\n\n<p>Da hilft auch kein Getwitter aus gr\u00fcnen Kreisen, weshalb Privatpersonen beim eventuellen Konkurs einer Ferienwohnung am Bodensee nicht entsch\u00e4digt werden, demgegen\u00fcber aber nun Thomas-Cook-Kunden f\u00fcr \u201eFlugreisen zum Ballermann\u201c. Auch diese Frage ist nachvollziehbar, aber in der Sache albern. Wer seine Ferienwohnung oder \u00d6ko- Fahrradtour pauschal \u00fcber einen Reiseveranstalter bucht w\u00e4re angesichts der Rechtslage ebenso abgesichert wie der ber\u00fchmte Ballermann- Tourist. Und egal ob Ballermann oder \u00d6ko-Reisender: Wer m\u00fchselig auf eine, vielleicht die einzige, Urlaubsreise sparte, muss sich im Schadenfall auf gesetzgeberische Zusagen und seinen Reisesicherungsschein verlassen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Es stellt sich daher die sinnvollere Frage, warum der Anbieter von Radtouren ungeachtet seines geringen Umsatzes gegen eine Insolvenz genau so hoch abgesichert sein muss wie  der Thomas-Cook-Konzern. Es spielt n\u00e4mlich keine Rolle, ob eine kleiner Veranstalter 1 Million Umsatz hat oder 500 Millionen. Auch solchen Ungereimtheiten d\u00fcrfte man jetzt seitens des Gesetzgebers zu (er-)kl\u00e4ren haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Touristiklobbyisten warnen vorbeugend bereits jetzt wieder davor, die Absicherungsgrenzen zu erh\u00f6hen. Dies verteuerte Reisen. Soviel Chuzpe ist allerdings schon bemerkenswert. Thomas-Cook stellte sogar die Vizepr\u00e4sidentin des <a href=\"http:\/\/drv.de\">Deutschen Reiseverbands (DRV) <\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Da w\u00e4re eine gewisse Zur\u00fcckhaltung angemessen. Denn es ist, wie wir gerade lernen, f\u00fcr die Allgemeinheit wohl noch teurer, Reisen durch niedrige Haftungsgrenzen zu verbilligen. <\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls beginnt in Berliner Regierungskreisen nun das gro\u00dfe Nachdenken. Beispielsweise dar\u00fcber, aus welchen Etatt\u00f6pfen heraus die Millionenzahlung erfolgen soll. Dar\u00fcber will das Kabinett laut <a href=\"http:\/\/bmj.de\">Bundesministerium der Justiz und f\u00fcr Verbraucherschutz <\/a>im neuen Jahr entscheiden. Man wei\u00df es schlicht noch nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch nicht, wie die Abwicklung konkret und durch wen erfolgen soll. Immerhin geht es bei einer Schadensumme von rund 80% des Betrags tats\u00e4chlich um rund 350 &#8211; 400 Millionen Euro f\u00fcr den Bund. F\u00fcr f\u00fcr die involvierte Zurich &#8211; Versicherung ist demgegen\u00fcber bei besagten 110.\u2014 Millionen Schluss. Welche Konsequenzen sind aus dem teuren Desaster zu ziehen? Auch das kann man im \u201efederf\u00fchrenden Ministerium\u201c noch nicht wirklich sagen. In <em>\u201evorbereitende Gespr\u00e4che\u201c <\/em>sei die Reisebranche und die Versicherungswirtschaft aber bereits \u201eeingebunden\u201c, l\u00e4sst die ministerielle Pressestelle verlauten. Na denn. Schauen wir mal, wie k\u00fcnftige Sicherheitsscheine aussehen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/IMG_2739-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4708\" srcset=\"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/IMG_2739-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/IMG_2739-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/IMG_2739-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/IMG_2739-624x468.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur @skeptikaa wunderte sich bei Twitter: \u201eDie Bundesregierung erw\u00e4gt, an die Gesch\u00e4digten der Thomas-Cook-Pleite 300- 500 Millionen \u20ac zu zahlen. 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