{"id":4512,"date":"2019-01-13T13:41:09","date_gmt":"2019-01-13T12:41:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=4512"},"modified":"2019-01-13T21:31:19","modified_gmt":"2019-01-13T20:31:19","slug":"sein-exzellenz-wird-gestalkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=4512","title":{"rendered":"Seine Exzellenz wird gestalkt"},"content":{"rendered":"\n<p>Haben Sie schon eimal etwas von \u201eunserem\u201c Botschafter, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R\u00fcdiger_von_Fritsch\">R\u00fcdiger Freiherr von Fritsch<\/a>, im fernen Moskau geh\u00f6rt? Der Name ist schon etwas bekannter, weil er nicht nur zu einer Familie mit langer und auch milit\u00e4rischer Tradition (bis hin zu den Nazis) geh\u00f6rt, sondern Herr von Fritsch auch schon mal P\u00e4sse f\u00e4lschte, um Verwandten bei einer Flucht aus der DDR behilflich zu sein. Dar\u00fcber konnte er dann auch ein Buch schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein bisschen James- Bond liegt dem adligen Herrn und Ex- Vizepr\u00e4sidenten des deutschen Bundesnachrichtendienstes also schon im Blut, wenn er in durchaus geschliffener Rhetorik die Weltlage schildert. Die Gesch\u00e4fte der deutschen Wirtschaft in Russland liegen ihm (zum Gl\u00fcck!) durchaus am Herzen, auch wenn dort aktive deutsche Unternehmer schon mal anmerken, mit kaum einem &#8222;arroganteren Volk&#8220; als in der deutschen Botschaft zu Moskau je zu tun gehabt zu haben. Es lohne sich schlicht nicht, dorthin zu gehen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Dessen ungeachtet kann dem Herrn Diplomaten bei kritischen Nachfragen durchaus ganz undiplomatisch der Gaul durchgehen. Fragt man ihn beispielsweise nach der Rechtfertigung deutscher Au\u00dfenpolitik in Sachen Russland- und Krim &#8211; Boykott, wird schon mal vom m\u00f6glichen Durchmarsch russischer Truppen bis nach Kiew fabuliert. Und \u00fcberhaupt ist die Ukraine trotz gewisser negativer Entwicklungen, die man nat\u00fcrlich ebenfalls sehen m\u00fcsse, vor allem eben ein armes unschuldiges angegriffenes Opfer Russlands. Maidan? War da was mit westlichem Putsch? N\u00f6.<\/p>\n\n\n\n<p>Das alles war (neben unbeantworteter Post wegen unserer &#8222;Krim-Aff\u00e4re&#8220;) dann doch Anlass, Herrn von Fritsch einmal bei einem seiner Ausfl\u00fcge in die badische Provinz zu besuchen und pers\u00f6nlich kennen zu lernen. Am 8. Januar weilte seine Exzellenz in Freiburg, am 11. Januar in Pforzheim, um dort seine Sicht der Dinge in durchaus gut gef\u00fcllten Veranstaltungsr\u00e4umen zu verbreiten. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Forum der <em>\u201ePforzheimer Zeitung\u201c<\/em> kam es aber dann leider  zu einem kleinen &#8222;Eklat&#8220;, den ich in meinem nachstehenden Schreiben an den Herrn Chefredakteur mit Namen <em>Schlecht<\/em> (das ist keine Polemik, der hei\u00dft so!) nochmals Revue passieren lie\u00df. Es w\u00e4re eigentlich ganz lustig, w\u00e4re es nicht traurig:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tauss als Stalker<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Sehr geehrter Herr&nbsp;Schlecht, sehr geehrte Damen und Herren,<\/p><p>mit Interesse habe ich am Freitag Ihre genannte Veranstaltung mit dem deutschen Botschafter in Moskau, Herrn von Fritsch, im PZ- Forum besucht. Es ist oft interessant, was die Pforzheimer Zeitung so veranstaltet. Schon am Dienstag hatte ich in Freiburg beim Zwetajewa- Zentrum allerdings bereits das&nbsp;\u201eVergn\u00fcgen&#8220; mit seiner Exzellenz. &nbsp;<\/p><p>Schon da nutzte ich die Gelegenheit, ihn einmal direkt auf die Sache Hausdurchsuchung unserer West-Ost-Gesellschaft in Baden-W\u00fcrttemberg (WOG) anzusprechen, deren Vorsitzender ich bin. In&nbsp;Moskau ist er&nbsp;leider&nbsp;sehr kontaktscheu. Es geht noch immer um eine Reise (auch mit Teilnehmer*innen aus dem Gebiet Pforzheim) zu den baden-w\u00fcrttembergischen Partnerst\u00e4dten von Baden-Baden, Heidelberg und Ludwigsburg auf der Krim, \u00fcber die das Ausw\u00e4rtige Amt und der damalige Russland- Beauftragte Dr. h.c.&nbsp;Gernot Erler sogar vorab informiert war.&nbsp;<\/p><p>Dennoch schickte man uns auf Veranlassung der Botschaft in Moskau Polizei und Staatsanwaltschaft wegen vermeintlicher&nbsp;\u201eBoykottverst\u00f6\u00dfe\u201c auf den Hals. Das ist schon deshalb merkw\u00fcrdig, weil nach deutscher&nbsp;Lesart, wenn \u00fcberhaupt, doch die Botschaft im ukrainischen Kiew zust\u00e4ndig sein m\u00fcsste. Die Ermittlungen gegen mich und den Vorstand der WOG wurden dessen ungeachtet vor einem Jahr \u201ewegen Unschuld\u201c&nbsp;eingestellt. Das k\u00f6nnen Sie bei Interesse alles ausf\u00fchrlich auch auf unserer Seite&nbsp;http:\/\/www.russlandbruecke.de\/die-wog-krim-affaere\/&nbsp;nachlesen.<\/p><p>Bis heute (sic!) antworteten die Botschaft und deren Chef v. Fritsch aber nicht auf unsere Anschreiben. Die geforderte Entschuldigung liegt auch noch nicht vor. Wir blieben so u. A. auch auf 900.&#8211; Euro Anwaltskosten sitzen. Das ist sehr viel f\u00fcr einen kleinen gemeinn\u00fctzigen Verein, der sich&nbsp;\u00fcberwiegend im medizinisch- humanit\u00e4ren Bereich in Osteuropa engagiert. .&nbsp;<\/p><p>Von Fritsch behauptete in Freiburg nun \u00f6ffentlich, mit den Vorg\u00e4ngen nichts zu tun zu haben und bot mir ein Gespr\u00e4ch im Anschluss an die Veranstaltung an. Dies war aber&nbsp;leider&nbsp;nicht m\u00f6glich, weil in Freiburg um 21.00 Uhr der letzte ICE in Richtung Karlsruhe abf\u00e4hrt.<\/p><p>Also nutzte ich die Gelegenheit, auch noch zu Ihnen zu kommen. Nachdem der Botschafter dann auf meine erneute Frage in Ihrem Forum sogar behauptete, allein das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft sei zust\u00e4ndig, war das von ihm selbst angeregte kurze Gespr\u00e4ch jetzt wohl \u00fcberf\u00e4llig. Er wich aber nicht nur k\u00f6rperlich sehr beh\u00e4nd aus, sondern es wurde mir von Ihnen pers\u00f6nlich und mit Hinweis auf das Hausrecht der PZ untersagt, ihn zu kontaktieren.&nbsp;<\/p><p>Wie passt das zu Ihrer Forumswerbung,&nbsp;\u201e..selbstverst\u00e4ndlich finden die Besucher auch Raum f\u00fcr Gespr\u00e4che und Gedankenaustausch &#8211; gerne an der Theke oder im Foyer\u201c?<\/p><p>MdB Gunther Krichbaum verstieg sich in Ihrem Gefolge witzigerweise sogar zur Behauptung, v. Fritsch w\u00fcrde von mir &#8222;gestalkt&#8220;. Eine anwesende Dame interpretierte dies dann als&nbsp;\u201e&nbsp;Bedrohung\u201c des Herrn. Das allein ist schon eine bemerkenswerte Auffassung von Dialog. Ihren Pforzheimer CDU- MdB will ich Ihnen aber nat\u00fcrlich nicht anlasten.&nbsp;Irgendwie passt er aber schon sehr gut ins Bild.<\/p><p><strong>Gute Nacht&#8230;&#8230; <\/strong><\/p><p>Solche Vorg\u00e4nge, sowohl mit Ihnen, wie mit Herrn Krichbaum und auch dem Botschafter selbst, habe ich in dieser Form in 40 Jahren Politik&nbsp;n\u00e4mlich&nbsp;noch nicht erlebt. War man etwa genervt, weil das Publikum \u00fcberwiegend kritische und unbequeme Fragen stellte, die vom Botschafter dann, je unbequemer und je kritischer, &nbsp;desto ausweichender oder nicht beantwortet wurden?&nbsp;<\/p><p>Zum Beispiel meine Zusatzfrage nach Annexion und V\u00f6lkerrecht: Wenn die Wiedervereinigung der Krim mit Russland nach seiner Auffassung und&nbsp;offizieller Lesart einen V\u00f6lkerrechtsverstoss darstellen sollte (kann man so sehen, muss aber nicht) &#8211; wie steht es dann mit dem NATO- Partner T\u00fcrkei in Syrien, wo im Gegensatz zur friedlichen Krim ganze St\u00e4dte (siehe Afrin) plattgemacht, &nbsp;Menschen abgeschlachtet und vertrieben wurden?&nbsp;<\/p><p>Diese Einm\u00e4rsche gelten aber in der deutschen Politik interessanterweise nicht als V\u00f6lkerrechtsverstoss. Warum? Gibt es ein V\u00f6lkerrecht einerseits und ein NATO-V\u00f6lkerrecht andererseits?&nbsp;<\/p><p>F\u00e4nden Sie es rein journalistisch,&nbsp;ungeachtet pers\u00f6nlicher Auffassungen, dann nicht auch interessant, selbst bei einem eloquenten Gast und bei solchen Widerspr\u00fcchen deutscher Diplomatie, einmal nachzuhaken?<\/p><p>Wenn dann jemand, dessen ungeachtet, dem Botschafter berechtigt vorwirft, die Unwahrheit zu sagen, siehe mein Beispiel Hausdurchsuchung, sollte dies doch eigentlich&nbsp;zus\u00e4tzlich &nbsp;journalistische Neugier wecken und nicht zu hausrechtlichen Erw\u00e4gungen f\u00fchren. Ich staune da doch sehr \u00fcber Sie.&nbsp;<\/p><p>Denn wir wissen aus Akteneinsicht, dass Herr v. Fritsch bestenfalls die halbe Wahrheit sagte (um es noch sehr h\u00f6flich zu formulieren und um das eigentlich angemessenere Wort von einer L\u00fcge zu vermeiden).&nbsp;<\/p><p>Statt Interesse an Aufkl\u00e4rung Ihrerseits also dann Hausrecht versus Journalismus- kann man&nbsp;\u201e&nbsp;nat\u00fcrlich\u201c so machen. Immerhin habe ich diese Form investigativer Pressearbeit in den R\u00e4umen einer Zeitung, wie ausgef\u00fchrt, erstmals kennen gelernt. Man lernt eben nie aus.&nbsp;<\/p><p>Wenigstens f\u00fcr Ihre letzte Frage am Abend muss ich Ihnen allerdings ein Kompliment machen. Sie baten seine Exzellenz, auf Russisch zu sagen, was dort gute Nacht hei\u00dft. Chapeau!<\/p><p>Denn&nbsp;\u201e&nbsp;sch\u00f6ner\u201c konnte man den Herrn Botschafter vor Ihrem doch \u00fcberwiegend sehr&nbsp;sachkundigen und&nbsp;russlandaffinen Publikum abschlie\u00dfend nicht vorf\u00fchren. Er antwortete n\u00e4mlich &#8222;Dobranoc&#8220; (ausgesprochen Dobranoz). Nur ist das polnisch und nicht russisch.&nbsp;Da hie\u00dfe es ausgesprochen&nbsp;richtigerweise&nbsp; &#8222;spakoinoi notschi\u201c.&nbsp;<\/p><p>Das h\u00f6rt sich nun sicher sehr \u00e4hnlich wie die obige polnische Version an (Ironie off) . Ein deutscher Botschafter, der auch im 5. Jahr seiner T\u00e4tigkeit in Russland noch nicht einmal wei\u00df, was dort gute Nacht hei\u00dft, bringt sein eigenes Problem mit dem Land und seine Kompetenz zum Land wohl ganz gut auf den Punkt.<\/p><p>Sch\u00f6nen Sonntag und viele Gr\u00fc\u00dfe&nbsp;<br> J\u00f6rg Tauss<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben Sie schon eimal etwas von \u201eunserem\u201c Botschafter, R\u00fcdiger Freiherr von Fritsch, im fernen Moskau geh\u00f6rt? 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