{"id":4000,"date":"2014-03-17T18:52:28","date_gmt":"2014-03-17T17:52:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=4000"},"modified":"2014-04-05T18:50:17","modified_gmt":"2014-04-05T16:50:17","slug":"die-menschen-des-maidan-zahlen-die-zeche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=4000","title":{"rendered":"Der Westen hat sich verzockt"},"content":{"rendered":"<p>Das Dilemma der EU in Sachen Ukraine und Krim wird von Au\u00dfenminister Frank Walter Steinmeier heute unfreiwillig komisch auf den Punkt gebracht:<\/p>\n<ol>\n<li>Wir wollen keine Eskalation<\/li>\n<li>Wir wollen Sanktionen gegen Russland.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Was denn nun?\u00a0 Sanktionen ohne Eskalation? Deutlicher kann man Hilflosigkeit nicht demonstrieren. Die EU hat sich, wie schon im Falle Georgien,\u00a0 verzockt und ist dem kalten Strategen Putin auf den Leim gegangen. Man wollte die EU &#8211; und letztlich die NATO &#8211; Ausweitung und hat damit die Spaltung der Ukraine riskiert.<\/p>\n<p>Und nicht nur riskiert: Wird das westliche Spiel in dieser Form weiter betrieben, wird die Ukraine und werden die Menschen des Maidan tats\u00e4chlich mit einer Spaltung ihres Landes, und nicht \u201enur\u201c mit der Abspaltung der Krim, die Zeche zahlen.<\/p>\n<p>Die Krim ist f\u00fcr den Westen als politisches Einflussgebiet heute schon weiter weg als die Wahrscheinlichkeit einer Mondbesiedelung durch indigene Regenwaldbewohner. Sie wird ein Teil Russlands werden, wie es von der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung auch gew\u00fcnscht ist. Und das ist aus deren Sicht auch logisch. Deshalb wird gefeiert. Denn die EU hat der Halbinsel und der Ukraine, au\u00dfer neoliberalen Auflagen und somit \u00fcber 50% Jugendarbeitslosigkeit wie in Spanien oder auf griechischen Inseln, nichts zu bieten.<!--more--><\/p>\n<p>Die Krim wird dagegen, sp\u00e4testens nach Fertigstellung der Br\u00fccke zum russischen Festland, ein bl\u00fchendes russisches Musterl\u00e4ndle werden. Das wissen die Menschen dort. Touristisch hat die Halbinsel klimatisch und von der Infrastruktur her alle Voraussetzungen, das Nizza des Schwarzen Meeres zu werden.<\/p>\n<p>Auch dazu tr\u00e4gt die EU mit ihren angedrohten Reisebegrenzungen und Kontensperrungen unfreiwillig beschleunigt bei. Reiche Russen k\u00f6nnen k\u00fcnftig auch im eigenen L\u00e4ndle \u201eurlauben\u201c und neben Sotschi nun eben die Krim- K\u00fcste zu deren Schwarzmeer- Cote d\u2018 Azur machen. Je mehr Reiseverbote verh\u00e4ngt werden, desto schneller.<\/p>\n<p>Der Westen hat sich verzockt. Mit den l\u00e4cherlichen Drohungen eines Halbstarken ohne Substanz (..wir warnen Russland vor Einmischung&#8230;) der Staatsm\u00e4nner Barroso, MacCain bis \u00d6zdemir und \u00a0diverser us-schwarz-gr\u00fcner Revolutionstouristen auf dem Maidan war das Spiel schon Ende 2013 verloren.<\/p>\n<p>Aber es kann, wie ausgef\u00fchrt, noch schlimmer kommen. Mit dem irrsinnigen EU- Assoziierungsabkommen, das nun beschleunigt unterzeichnet werden soll, kann Russland im \u00f6stlichen und s\u00fcd\u00f6stlichen Teil der Ukraine die \u00c4ngste der Menschen weiter sch\u00fcren. Denn nie und nimmer wird Russland, egal wer dort regiert, dies und die darauf folgende weitere NATO- Erweiterung akzeptieren (k\u00f6nnen und wollen).<\/p>\n<p>Die Ukraine zerfiele dann unvermeidlich in zwei Teile. Es entst\u00fcnde noch eine neue Grenze mitten in Europa. Dazu gibt es nur einen theoretische und diplomatische Alternative:<\/p>\n<p>Der Westen erkennt den Verlust der Krim realistischerweise an. Je schneller, desto besser. Und er verhandelt mit Russland und der Ukraine \u00fcber eine Ukraine, die alle Seiten jeweils als Nahtstelle zwischen den jeweiligen Einflussgebieten und mit einer entsprechenden Sicherheitspartnerschaft auch f\u00fcr alle Bev\u00f6lkerungsgruppen verstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Ukraine k\u00f6nnte so, in jeder Beziehung, die Br\u00fccke zwischen dem Westen und dem wieder erstarkten Russland sein. Eine Br\u00fccke, die Polen aus historischen Gr\u00fcnden weder sein will noch sein kann. Die Ukraine K\u00d6NNTE es. Wenn man es denn wollte.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re also tats\u00e4chlich die Stunde der Diplomatie und intelligenter Staatsm\u00e4nner und -Frauen. Doch die sind nicht in Sicht. Und so arbeitet man weiter dem eiskalten Strategen Putin in die H\u00e4nde, der damit v\u00f6llig unverdient zum historischen Helden des einfachen Volkes wird. Er hat die verloren geglaubte Krim Russland zur\u00fcckgeschenkt. Wer diesen Effekt untersch\u00e4tzt, hat von russischer Seele, russischer Politik und Befindlichkeiten seit den Zeiten einer Katharina der Gro\u00dfen keine Ahnung.<\/p>\n<p>Und genau dies nicht zu begreifen ist das Problem des Westens und seiner us- gesteuerten \u201eThinkTanks\u201c. Think kommt von Denken. Und Denken ist Gl\u00fccksache und nicht die aktuelle St\u00e4rke us-amerikanischer und europ\u00e4ischer Au\u00dfenpolitik. \u201eBedenke das Ende\u201c sagt der Volksmund. Oder \u201eErst besinnen, dann beginnen\u201c. Zwei wohl vergebliche Erwartungen an die dumm-kalten Krieger von Br\u00fcssel bis Washington. The winner is&#8230;.deshalb Putin. Er kann so auch noch von allen inneren politischen und \u00f6konomischen Schwierigkeiten Russlands ablenken. Schlimm genug.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Dilemma der EU in Sachen Ukraine und Krim wird von Au\u00dfenminister Frank Walter Steinmeier heute unfreiwillig komisch auf den Punkt gebracht: Wir wollen keine Eskalation Wir wollen Sanktionen gegen Russland. Was denn nun?\u00a0 Sanktionen ohne Eskalation? Deutlicher kann man Hilflosigkeit nicht demonstrieren. 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