{"id":2240,"date":"2011-03-27T17:14:53","date_gmt":"2011-03-27T15:14:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=2240"},"modified":"2011-04-03T13:20:52","modified_gmt":"2011-04-03T11:20:52","slug":"spackeria-datenschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=2240","title":{"rendered":"Spackeria &#038; Datenschutz"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"color: #ff0000;\">&#8222;There was of course no way of knowing whether you were being watched at any given moment<\/span><\/em><em><span style=\"color: #ff0000;\">&#8230;<\/span><\/em><em> <\/em>George Orwell, 1984<\/p>\n<p>Die derzeitige aufgeregte <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/0,1518,749831,00.html\">Spackeria- <em>Julia Schramm<\/em> &#8211; Debatte<\/a> ist weit mehr als ein weiterer Abklatsch der monatelangen aufgeregten Diskussion um Herrn <a href=\"http:\/\/www.predictive-behavioral-targeting.de\/2010\/02\/post-privacy-ist-das-zeitalter-des-datenschutzes-endgultig-vorbei\/\"><em>Zuckerbergs<\/em> tats\u00e4chliche oder vermeintliche \u00c4u\u00dferungen zur Post-Privacy<\/a>, wonach das Zeitalter des Datenschutzes endg\u00fcltig vorbei sei.<\/p>\n<p>Richtig ist: Was ich ins Netz einstelle ist erstmal drin. Was ich ver\u00f6ffentliche, ist \u00e4hnlich einer T\u00e4towierung meine pers\u00f6nliche und kaum korrigierbare Entscheidung. Meine Vergangenheit ist Teil meiner Person. Selbstverst\u00e4ndlich darf unter Wahrung der Unschuldsvermutung und der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit meine Vergangenheit f\u00fcr oder gegen mich verwendet werden. Das gilt im \u201ewahren Leben\u201c wie im Netz, das ja auch nur ein Teil meines realen Lebens ausmacht. Wer au\u00dfer er selbst und seine Fangemeinde hat beispielseise ein Problem damit, dass Herr zu <em>Guttenberg<\/em> von seiner Vergangenheit auch digital eingeholt wurde?<\/p>\n<p>Gut so, dass es nicht nur in diesem Fall keinen digitalen Radiergummi gab. Insofern verwundert dieser Teil der Kritik an der <em>Spackeria,<\/em> sie ignoriere diese Irreparabilit\u00e4t. Man kann Vergangenheit so wenig absch\u00fctteln wie die eigene Haut. Egal ob sie jugendlich pickelig, glatt, straff oder verwelkt daherkommt. Insofern brauche ich auch keinen digitalen Radiergummi.<\/p>\n<p>Die Gefahr, dass ein Personalchef sich \u00fcber die Bewerbung einer Person wundert, \u00fcber die er nichts aber auch gar nichts im Netz findet, ist wohl ungleich gr\u00f6\u00dfer als die Gefahr, dass uralte Partyfotos gegen einen verwendet werden. Ungeachtet der Tatsache, dass sich wohl \u00fcber viele Personalchefs schon heute und sp\u00e4testens in einigen Jahren alles m\u00f6gliche im Netz finden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Frage ist doch nicht, was man \u00fcber jemanden findet, sondern bestenfalls welche Schl\u00fcsse Dritte mit welchen Folgen f\u00fcr mich daraus ziehen k\u00f6nnen. Zu debattieren w\u00e4re, wie man sich gegen diese Schl\u00fcsse im Fall des Falles besser wehren k\u00f6nnte. Das Kunden &#8211; Scoring bei Kreditvergaben oder bei der Schufa sind hierf\u00fcr gute Beispiele. Sie r\u00e4umen gleichzeitig mit dem Spackeria- Irrtum auf, alles sei gut, sobald nur alle Daten umfassend frei zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Da hilft mir auch der achselzuckende wie richtige <a href=\"http:\/\/joergrupp.de\/tag\/spackeria\/\">Hinweis von J\u00f6rg Rupp<\/a> nicht weiter, <em>dass er den umfassenden Datenschutz, der teilweise eigefordert wird, gerade f\u00fcr Social Networks bzw. das \u201cInternet\u201d f\u00fcr v\u00f6llig abstrus hielte.<\/em><\/p>\n<p>Das ist ein Irrtum. Denn nat\u00fcrlich sind Pers\u00f6nlichkeitsrechte gef\u00e4hrdet, wenn unsere verschiedensten Daten, die f\u00fcr sich allein betrachtet belanglos sein m\u00f6gen, irgendwo zentral zusammengef\u00fchrt und miteinander verkn\u00fcpft werden. Daraus k\u00f6nnen Konsequenzen bis hin zur Gef\u00e4hrdung der wirtschaftlichen Existenz entstehen. Hier wird <em>Datenschutz <\/em>tats\u00e4chlich zum notwendigen <em>Pers\u00f6nlichkeitsschutz.<\/em><\/p>\n<p>Nun habe ich aber auch noch keinen <em>Spacko<\/em> getroffen, der diese Gefahr wirklich leugnet. Auch nicht die Tatsache, dass es auch im Netz wie au\u00dferhalb des Netzes nat\u00fcrlich auch ehrverletzende Beschreibungen und Mobbing von Personen gibt. Eine Art Gegendarstellungsrecht bei Google hielte ich hier durchaus f\u00fcr sinnvoll.<\/p>\n<p>In drei wichtigen Punkten hat die Spackeria um <em>Julia Schramm<\/em> dessen ungeachtet allerdings v\u00f6llig recht:<\/p>\n<p>Es bedarf in der Tat einer Debatte \u00fcber das k\u00fcnftige Verh\u00e4ltnis von Datenschutz und Gesellschaft und es gibt eine Erosion der informationellen Selbstbestimmung<\/p>\n<ol>\n<li>Der alte Datenschutz ist in den 70igern (nicht in den 80igern, liebe Julia Schramm) entworfen worden. Der Datenschutz in dieser Zeit hatte tats\u00e4chlich wenig mit den Herausforderungen der heutigen Zeit zu tun.<\/li>\n<li>Es gibt tats\u00e4chlich politische Tendenzen, den Datenschutz zu einem Instrument umzugestalten, das Freiheitsrechte potenziell gef\u00e4hrdet.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der nun ausgebrochene Streit \u00fcber solche selbstverst\u00e4ndlichen Erkenntnisse erinnert mich allerdings an die ber\u00fchmte Szene aus <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Leben_des_Brian\"><em>\u201eDas Leben des Brian\u201c<\/em><\/a><em> . <\/em>Dort appelliert Brian\u00a0an die <em>Volksfront von Jud\u00e4a<\/em> und die <em>Kampagne f\u00fcr ein freies Galil\u00e4a<\/em>: <em>Aber k\u00e4mpft doch nicht gegeneinander. Wir m\u00fcssen vereint sein gegen den gemeinsamen Feind. <\/em>Alle: <em>Die Jud\u00e4ische Volksfront!!! <\/em>Brian: <em>Nein, nein, die R\u00f6mer! <\/em>Alle: <em>Achsoo. <\/em>Beide Gruppen bringen sich dann gegenseitig um und die R\u00f6mer schauen kopfsch\u00fcttelnd zu.<\/p>\n<p>Der gemeinsame \u201eFeind\u201c in diesem Sinne sind f\u00fcr mich jene, die den gesetzlichen Datenschutz in Deutschland \u00fcber Jahrzehnte verlottern lie\u00dfen, um ihn heute ausgerechnet in den social networks oder bei dem Recht auf Verpixelung von Geb\u00e4uden (sic!) durchsetzen wollen. Sie w\u00fcrden grinsend und nicht kopfsch\u00fcttelnd zusehen, wenn sich Netzaktisten und Datensch\u00fctzer gegenseitig \u201eumbringen\u201c und schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Der Feind heisst bei aller berechtigten Kritik nicht facebook, streetview, google oder auf der anderen Seite Datenschutz. Ich kann mich einer anderen Suchmaschine bedienen oder mich auch aus den Networks zur\u00fcckziehen. Aus dem \u00dcberwachungsstaat der <em>Schilys, Sch\u00e4ubles, de Maizier\u00e9s <\/em>und <em>Zimmermanns<\/em> kann ich das aber nicht. <em>Christian Heller <\/em>forderte deshalb k\u00fcrzlich zu Recht, Datenschutz solle in Bezug auf staatliche Repressionen statt auf Firmen wie <em>Google <\/em>oder<em> Facebook<\/em> hin gedacht werden.\u00a0 Da ist viel Wahres dran.<\/p>\n<p>Denn die Notwendigkeit gesetzlicher Ver\u00e4nderungen beim Datenschutz begr\u00fcndet die Bundesregierung eben nicht mit Freiheitsrechten. Sie hat banalere Sorgen, wie ausweislich von <em>carta <\/em><a href=\"http:\/\/carta.info\/29084\/de-maiziere-testet-seine-internetpolitik-vor-vertretern-der-it-industrie\/\">eine reichlich d\u00fcmmliche Frage des letzten Bundesinnenministers<\/a> bewies: <em>\u201cKann ich mich darauf verlassen, dass derjenige, der mir eine E-Mail schickt, auch derjenige ist, der er vorgibt zu sein? <\/em>Kann ich mich darauf verlassen, dass derjenige, der mir mit der gelben Post einen Brief schickt, derjenige ist, der er vorgibt zu sein?<\/p>\n<p>Interessanter f\u00fcr mich als Staatsb\u00fcrger w\u00e4re doch die Frage an die Bundesregierung, ob sie sich darauf verlassen kann, dass Bank- oder Fluggastdaten in den USA sicher sind. Oder weshalb sie an dem Weg in den Pr\u00e4ventionsstaat weg vom Rechtsstaat festh\u00e4lt, wie auch die st\u00e4ndigen Vorst\u00f6\u00dfe zur Vorratsdatenspeicherung von Telefon- und Internetverbindungsdaten belegen.<\/p>\n<p>Wichtig ist f\u00fcr Union und war fr\u00fcher f\u00fcr <em>Otto Schily<\/em> allein die Bek\u00e4mpfung des Internets- nicht der Datenschutz der B\u00fcrger. Anonymit\u00e4t darf es laut Union oder fr\u00fcher Schily im Internet nicht geben. Selbst l\u00e4ngst selbstverst\u00e4ndliche Pseudonyme\u00a0 sind den Herrschaften mehr als suspekt. Statt dessen wollen sie ein Recht auf H\u00e4userverpixelung. Doch Fotos von H\u00e4usern sind nichts gegen die <em>Vorratsdatenspeicherung<\/em>. <em>Facebook<\/em> ist nichts gegen <em>SWIFT<\/em>. Und <em>Google<\/em> nichts gegen <em>Indect<\/em> oder <em>Netzsperren.<\/em><\/p>\n<p>Die politische Verlogenheit in Sachen <em>Datenschutz<\/em> findet man im Netz gut dokumentiert vor. So sagte <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,687255,00.html\">Ministerin Aigner zur Facebook-Problematik<\/a>: <em>&#8222;Gerade weil besonders jungen Nutzern meist nicht bewusst ist, dass ihre pers\u00f6nlichen Profile zu kommerziellen Zwecken genutzt werden sollen, kommt Unternehmen wie Facebook eine besondere Verantwortung zu.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Ein US- Unternehmen ist eben sch\u00f6n bequem weit weg. Doch nur ein Jahr zuvor hintertrieben Union gemeinsam mit der SPD die <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Bundestag-verabschiedet-Datenschutzreform-189371.html\">hierzulande m\u00f6glichen Reformans\u00e4tze<\/a>, als es beispielsweise beim sogenannte <em>Listenprivileg<\/em> um die Abschaffung der Verwendung personenbezogenen Daten zu Zwecken der Werbung, Markt- und Meinungsforschung <strong><em>ohne<\/em><\/strong> Einwilligung der Betroffenen ging. In Deutschland d\u00fcrfen diese Daten auch weiterhin ohne Zustimmung Betroffener weitergegeben werden. Wo waren damals jene Unionisten, die sich heute \u00fcber <em>facebook<\/em> aufregen?<\/p>\n<p>Schon der nun wirklich halbherzige wie populistische Versuch Sch\u00e4ubles (!), hier nach den Datenschutzskandalen (Telekom, Bahn, Lidl etc.) im Jahre 2009 zu einer \u00c4nderung zu kommen, scheiterte an der Union und einer gleichg\u00fcltigen SPD, die mir \u201eRadikalit\u00e4t\u201c vorwarf und die in vielen Jahren entstandene <a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2008\/kein-datenschutz-mehr-fuer-inter-tauss\/\">Datenschutzposition und mich \u00fcber Bord warf.<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr die CDU- Dame und Datenschutzberichterstatterin <a href=\"http:\/\/www.beatrix-philipp-mdb.de\/\"><em>Beatrix Philipp <\/em><\/a>war dieser Sieg der Lobbyisten \u00fcber die Datensch\u00fctzer zynischerweise der <em>&#8222;beste Beweis f\u00fcr eine gelebte Demokratie.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Statt sich also endlich an eine \u00fcberf\u00e4llige Modernisierung des BDSG und des Datenschutzes und die \u00fcberf\u00e4lligen Hausaufgaben zu machen , entdeckte die neue Bundesregierung nun mit ihrem Gesetzentwurf <a href=\"http:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Themen\/OED_Verwaltung\/Informationsgesellschaft\/rote_linie.pdf;jsessionid=C1ADEE2D0112927FA755EE6CCF5D484C.1_cid183?__blob=publicationFile\"><em>Datenschutz im Internet \u2013 Schutz vor besonders schweren Eingriffen in das Pers\u00f6nlichkeitsrecht<\/em><\/a> das Web 2.0 als\u00a0 eigentlichen Gef\u00e4hrder des Datenschutzes.<\/p>\n<p>Dieser umfassende Datenschutz wird heute also von jenen gefordert, die sich zuvor nicht um das Thema k\u00fcmmerten und f\u00fcr die der Datenschutz schon immer T\u00e4terschutz war. Und da sollten nicht nur <em>Spackos<\/em> misstrauisch werden.<\/p>\n<p><strong>Kleiner Exkurs zu den vertanen Chancen<\/strong><\/p>\n<p>Das Datenschutzkonzept entstand zu einer Zeit, als noch viele \u201eOperator\u201c in weissen Gew\u00e4ndern und abgeschottet vom Rest des Betriebs die damaligen \u201eHollerith-Maschinen\u201c bedienten. Sie schoben auf Hubkarren Paletten mit Lochkarten hin- und her, die zuvor von <a href=\"http:\/\/www.frauen-informatik-geschichte.de\/index.php?id=125\">fleissigen Locherinnen<\/a> angefertigt wurden. Von der Rechenkapazit\u00e4t, das heute ein Handy aufweist, war man Lichtjahre entfernt. Es gab dennoch die ersten kritischen Computerdiskussionen, 1977 erste Datenschutzgesetze und Jahre sp\u00e4ter dann die Volksz\u00e4hlung nebst Urteil. Und dieses Urteil ist noch immer Gold wert. Auf ihm basiert das vom <em>Bundesverfassungsgericht <\/em>verankerte <a href=\"http:\/\/www.datenschutzbeauftragter-online.de\/das-bundesdatenschutzgesetz-bdsg\/urteile-des-bverfg-zur-informationellen-selbstbestimmung\/\">Grundrecht einer <em>informationellen Selbstbestimmung<\/em><\/a><em> <\/em>und sp\u00e4ter das Grundrecht auf <em>Gew\u00e4hrleistung der Vertraulichkeit<\/em> und <em>Integrit\u00e4t informationstechnischer Systeme.<\/em><\/p>\n<p>Zur Vermeidung weiterer Missverst\u00e4ndnisse t\u00e4te die Spackeria gut daran, sich gerade dann zu diesen Grundrechten zu bekennen, wenn man wei\u00df,\u00a0dass das BDSG heute hinter diesen Anspr\u00fcchen weit hinterher hinkt.\u00a0Das allerdings wissen die Datensch\u00fctzer nicht erst seit Schramms Erkenntnis, wonach es eine Bigoterie des Staates sei,\u00a0 ein Datenschutzgesetz zu stricken, aber anonymes Surfen nicht zu f\u00f6rdern. \u00c4pfel mit Birnen werden hier nur insoweit verglichen, als vom Surfen in Datennetzen die Datensch\u00fctzer der 1. Generation gar nichts wissen konnten.<\/p>\n<p>Dass die Datenschutzreformen wie deren Bek\u00e4mpfung aber eine lange Tradition haben, zeigt ein Papier aus 1998, das ich zusammen mit <a href=\"http:\/\/www.ute-vogt.de\/\"><em>Ute Vogt<\/em><\/a> zur <a href=\"http:\/\/classic.tauss.de\/berlin\/eckwerte_zusammenfassung.html\">Reform des Datenschutzes (Eckpunkte)<\/a> vorgelegt hatte.\u00a0Damals schrieben wir:<\/p>\n<p><em>&#8230;Angesichts der Un\u00fcbersichtlichkeit und Kompliziertheit des Datenschutzrechts sollte im Interesse von datenverarbeitenden Stellen und Nutzern eine erhebliche Vereinfachung und Verschlankung des Datenschutzrechts im Vordergrund stehen&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>&#8230;Dies darf jedoch nicht zu einer Aufweichung der verfassungsrechtlich garantierten Rechte oder zur Einschr\u00e4nkung oder Abschw\u00e4chung bew\u00e4hrter Verfahren des Datenschutzes f\u00fchren. Eine Vereinfachung und Verschlankung erweist sich aber vor allem deshalb als notwendig, um zu widerspruchsfreien, einheitlichen, praktikablen und vor allem auch verst\u00e4ndlichen Regelungen zu gelangen&#8230;.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8230;Eine gro\u00dfe Bedeutung kommt den M\u00f6glichkeiten des Selbstschutzes f\u00fcr den einzelnen Nutzer zu. Dazu bedarf es insbesondere der weiteren Entwicklung von Selbstschutzinstrumenten (z.B. Digitale Signatur, Verschl\u00fcsselungssoftware)&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Anmerkung: Hintergrund war damals die <a href=\"http:\/\/www.tecchannel.de\/netzwerk\/networkworld\/technikwissen\/403604\/schluesseldienst\/index5.html\">Krypto Debatte und die von den USA verlangte Schl\u00fcsselhinterlegung (key recovery).<\/a><\/p>\n<p><em>&#8230;Die M\u00f6glichkeiten der Nutzer zum Selbstschutz durch kryptografische Verfahren darf rechtlich nicht eingeschr\u00e4nkt werden. Eine Einschr\u00e4nkung der freien Verwendung solcher Verfahren kann bei einer Abw\u00e4gung von Nutzen und Schaden nicht gerechtfertigt werden und w\u00e4re verfassungsrechtlich bedenklich&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>&#8230;Grundlegende Bedeutung kommt der pseudonymen Nutzungsm\u00f6glichkeit der neuen Dienste als Mittel des Selbstdatenschutzes zu, die gef\u00f6rdert werden sollte. Mit einer pseudonymen Nutzungsm\u00f6glichkeit werden die personenbezogenen Daten zwar nicht reduziert, jedoch wird damit die Zur\u00fcckverfolgung der gespeicherten und verarbeiteten Daten zu einer tats\u00e4chlichen Person wirksam verhindert \u2013 au\u00dfer im Streitfall. Dies ist der wirksamste Weg, um Mi\u00dfbr\u00e4uchen mit personenbezogenen Daten vorzubeugen, die in den Datennetzen anfallen. Allerdings setzt dieses Instrument eine Infrastruktur zur Ausgabe, Verwaltung und Aufdeckung von Pseudonymen voraus, die nach Prinzipien des Systemschutzes organisiert sein sollte&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Ende der Zitate<\/p>\n<p>2001 gab es einen erneuten Anlauf. Im Auftrag des <a href=\"http:\/\/www.bmi.bund.de\/DE\/Home\/startseite_node.html\"><em>BMI<\/em><\/a><em> <\/em>wurde ein <em>Professorengutachten<\/em> (Bitzer, Garstka, Rossnagel) zur <a href=\"http:\/\/www.computerundrecht.de\/media\/gutachten.pdf\"><em>Reform des Datenschutzes<\/em><\/a> in Auftrag gegeben.<\/p>\n<p>Doch auch diese Arbeit verschwand in der Versenkung, weil f\u00fcr <em>Schily <\/em>in praktischer Weise der Anschlag vom 11. September auf das New York WTC dazwischen kam und er seine <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2001\/44\/200144_polizei_schily-k.xml\"><em>Antiterrorgesetze<\/em><\/a> auf den Weg bringen konnte.\u00a0Das Gutachten erhielt deshalb noch nicht einmal eine Bundestagsdrucksachennummer und erreichte nie den Innenausschuss. Auch die <em>Gr\u00fcnen<\/em> unter deren damaligen innenpolitischen Sprecher und heutigen Vorsitzenden <a href=\"http:\/\/www.oezdemir.de\/\"><em>Cem \u00d6zdemir<\/em><\/a><em> <\/em>hatten keinerlei Interesse daran, endlich das Projekt <em>Datenschutzreform <\/em>anzugehen.<\/p>\n<p><em>Julia Schramms <\/em>Kritik, es sei eine <em>\u201eBigotterie des Staates, ein Datenschutzgesetz zu stricken, aber anonymes Surfen nicht zu f\u00f6rdern\u201c<\/em>, trifft\u00a0 zu. Allerdings wurde \u00fcber Jahre hinweg schon das Stricken unterbunden. Und zwar nicht aus Bigottterie, sondern aus klar erkl\u00e4rter politischerAbsicht. Auch die Bundesl\u00e4nder wollten nicht. <em>Kurt Beck<\/em> erkl\u00e4rte klipp und klar: Aus Sicht der SPD-regierten L\u00e4nder bestehe <strong>kein<\/strong> Handlungsbedarf.<\/p>\n<p><strong>Der Datenschutz ist tot. Es lebe der Datenschutz<\/strong><\/p>\n<p><em>In dem Moment, in dem ich mich zu Hause bei Facebook anmelde, liefere ich mich dem Kontrollverlust aus.<\/em> Deshalb gebe es nur zwei M\u00f6glichkeiten, sagte Schramm zur Nachrichtenagentur dpa:<em> \u201eEntweder ich akzeptiere das oder ich lasse es und halte mich fern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Warum so eine schwarz-weisse Betrachtung?<\/p>\n<p>Warum sollte ich mich nicht in dem einen oder anderen Bereich \u201eouten\u201c k\u00f6nnen, um aber in anderen Teilen gesetzlich abgesichert und mittels <em>Datenschutz durch Technik<\/em> anonym zu bleiben oder wenigstens mein Pseudonym einzusetzen?<\/p>\n<p>Oder als weitere Stichworte <em>Datenvermeidung<\/em> und anonyme Bezahlsysteme. Stellte das gerade in der Zeit des biometrischen Personalausweises eine \u201e\u00dcberregulierung\u201c oder gar staatliche Repression dar? Nein.<\/p>\n<p>Deshalb sollten die <em>Spackos<\/em> nicht das Ende des Datenschutzes ausrufen, sondern mithelfen, dass ein moderner Datenschutz endlich auf die politische Agenda kommt.\u00a0 An Bem\u00fchungen hierzu hat es jedenfalls nicht gefehlt. Es w\u00e4re allerdings verfehlt, nun ausgerechnet die Folgen unterlassenen politischen Handelns dem Datenschutz anzulasten.<\/p>\n<p>Der Datenschutz ist tot. Es lebe der Datenschutz. Mit dieser abgewandelt abgedroschen Weisheit k\u00f6nnte ich als Ausgangspunkt der weiteren Debatte gut leben.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Einige Links zu weiteren Artikeln zum Thema, die ich mit Interesse gelesen habe:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em>Thomas Stadler<\/em> lawblog: \u00a0http:\/\/www.internet-law.de\/2011\/04\/das-datenschutzproblem.html\/comment-page-1#comment-7897<\/span><\/p>\n<p><em>J\u00f6rg Rupp<\/em> (Gr\u00fcne) zu Post-Privacy\u00a0<a href=\"http:\/\/joergrupp.de\/post-privacy\/\">http:\/\/joergrupp.de\/post-privacy\/<\/a><\/p>\n<p><em>Marina Weisband<\/em> <a href=\"http:\/\/www.marinaslied.de\/?p=541\">http:\/\/www.marinaslied.de\/?p=541<\/a><\/p>\n<p>Spacko fasel: <a href=\"http:\/\/spackeria.wordpress.com\/\">http:\/\/spackeria.wordpress.com<\/a>\/<\/p>\n<p><em>Tim Schmidt:<\/em> <a href=\"http:\/\/www.blogs.uni-osnabrueck.de\/web20\/2011\/03\/20\/post-privacy-der-andere-und-die-datenschutzkritische-spackeria\/\">http:\/\/www.blogs.uni-osnabrueck.de\/web20\/2011\/03\/20\/post-privacy-der-andere-und-die-datenschutzkritische-spackeria\/<\/a><\/p>\n<p><em>J\u00f6rg Tauss<\/em> zur Reform des Arbeitnehmerdatenschutzes:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=1289\">https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=1289<\/a><\/p>\n<p>..\/.. F\u00fcr weitere Tipps dankbar \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;There was of course no way of knowing whether you were being watched at any given moment&#8230; George Orwell, 1984 Die derzeitige aufgeregte Spackeria- Julia Schramm &#8211; Debatte ist weit mehr als ein weiterer Abklatsch der monatelangen aufgeregten Diskussion um Herrn Zuckerbergs tats\u00e4chliche oder vermeintliche \u00c4u\u00dferungen zur Post-Privacy, wonach das Zeitalter des Datenschutzes endg\u00fcltig vorbei [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[53,177],"class_list":["post-2240","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-datenschutz","tag-spackeria"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2240","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2240"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2240\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2246,"href":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2240\/revisions\/2246"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}