{"id":1157,"date":"2010-10-13T16:21:45","date_gmt":"2010-10-13T14:21:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=1157"},"modified":"2011-02-19T23:52:37","modified_gmt":"2011-02-19T22:52:37","slug":"die-frankische-kennedy-saga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=1157","title":{"rendered":"Die fr\u00e4nkische Kennedy-Saga"},"content":{"rendered":"<p>Seit der schwedischen Monarchenhochzeit gab es nicht mehr viel adlig Neues zu berichten. Diese nachrichtenarme Zeit hat uns der durch seine F\u00f6nfrisur bekannte Journalist und Moderator Dr. Hajo Schumacher mit einem welt-online Beitrag zu &#8222;<em>unseren Guttenbergs<\/em>&#8220; etwas ertr\u00e4glicher gemacht.<\/p>\n<p>Sein Artikel zum\u00a0<em>Traumpaar der deutschen Seele<\/em>, an R\u00fchrung und edlem Gedankengut bestenfalls noch durch die Sissi- Verfilmung in den 50iger Jahren \u00fcbertroffen, muss \u00a0daher feuilletonistisch einfach gew\u00fcrdigt werden.\u00a0Nachstehend werden die <em>sch\u00f6nsten Zitate <\/em>und Abs\u00e4tze<em> <\/em>aus diesem Werk <em>(jeweils kursiv)<\/em> auch mit einigen pers\u00f6nlichen Anmerkungen versehen.<!--more--><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich beginnt der Artikel mit dem Hinweis auf das derzeit in gewisssen Journalistenkreisen von BILD bis RTL2 heiss beworbene Buch der Gattin zu Guttenberg, auf das unten noch intensiver eingegangen werden wird.\u00a0Auch hier deshalb der kurze Werbeblock: (Stephanie zu Guttenberg: <em>Schaut nicht weg!<\/em>, 177 Seiten, Kreuz- Verlag).<\/p>\n<p>Aber nun zu Doktor Schumachers Eloge:<\/p>\n<p><em>Der beliebteste Politiker Deutschlands kam etwas zu sp\u00e4t zur Buchvorstellung seiner Gattin. Die Gesch\u00e4fte hatten ihn mal wieder aufgehalten.<\/em><\/p>\n<p>Meine Frau ist eigentlich immer sauer, wenn ich zu ihr wichtigen Themen zu sp\u00e4t komme und eigene wichtige Gesch\u00e4fte vorschiebe. Deshalb traute er sich wohl nicht nach vorne. Zur Vermeidung des absehbaren ehelichen Konflikts musste Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester. so sein voller Name, deshalb kreativ werden:<\/p>\n<p><em>Jeder andere Politiker h\u00e4tte die Chance genutzt, sein Zusp\u00e4tkommen als Einmarsch zu inszenieren.Aber ein Stil-Profi wie Karl-Theodor zu Guttenberg wei\u00df um den Wert demonstrativer Zur\u00fcckhaltung. Also bleibt er ganz hinten stehen und \u00fcberl\u00e4sst nur ihr die B\u00fchne, die ihr Buch gegen Kindesmissbrauch pr\u00e4sentiert.<\/em><\/p>\n<p>Wie niedlich! Wie k\u00f6nnte sie ihm mit hoheitlichem Augenaufschlag da noch z\u00fcrnen, zumal Hajo weiss:<\/p>\n<p><em>Afghanistan ist eben kein Kindergeburtstag, sondern die heikelste Mission, die die deutsche Politik zu vergeben hat. <\/em><\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte das gedacht? Afghanistan ist kein Kindergeburtstag. Und ER kam zu sp\u00e4t, weil wohl gerade mal wieder Stau auf der Autobahn in Richtung Kabul war. Wer h\u00e4tte da nicht Verst\u00e4ndnis? H\u00f6rt sich doch besser an als die Ausrede: Liebling, der Mercedes ging kaputt. Mein Fahrer hatte mal wieder die Inspektion vergessen.<\/p>\n<p>Denn dort, am Hindukusch,\u00a0<em> &#8230;geht es um Leben und Tod, um den globalen Kampf von Gut gegen B\u00f6se, um elementare Werte \u2013 exakt seine Flugh\u00f6he.<\/em><\/p>\n<p>Ok. Dagegen kann man zu Hause nicht nach dem Motto anstinken: Du bist schon wieder zu sp\u00e4t gekommen. Geh doch zu Deinen bl\u00f6den Soldaten&#8230; Bleib doch gleich dort&#8230;.Heul, schn\u00fcff, schmoll&#8230;&#8230;oder\u00a0was\u00a0sonst noch an Szenen in einer Ehe m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Nein! \u00a0Der\u00a0<em>geliebte Mann<\/em> Guttenberg, ganz versierter Politiker, hat diese f\u00fcr ihn potenziell unerquickliche Situation geschickt gerettet, indem er ihr laut BILD nach ihrer Rede dann auch noch &#8222;stolz die Wange streichelte&#8220;. Wie k\u00f6nnte sie ihm da b\u00f6se sein? Aus der letzten Reihe vorne Wange streicheln. Das muss einer erst k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Nat\u00fcrlich wei\u00df er, dass seine kalkulierte Bescheidenheit wahrgenommen wird. Was ein Mann: so edelm\u00fctig, uneitel, mitf\u00fchlend! Sie wiederum widmet \u201eSchaut nicht weg!\u201c, das Werk mit dem engagierten Titel, \u201emeinem geliebten Mann und meinen T\u00f6chtern. Sie sind der Fels in der Brandung, ohne sie w\u00e4re alles nicht m\u00f6glich\u201c. <\/em><em>Ja, das muss Liebe sein, Verantwortung, eine emotionale, gleichwohl tiefsch\u00fcrfende Interpretation von konservativ ohne den bei\u00dfenden Geruch schlechtlauniger alter M\u00e4nner.<\/em><\/p>\n<p>Wow. Solche Formulierungen m\u00fcssen einem erst einfallen. Die schlechtgelaunten alten M\u00e4nner werden zwar namentlich nicht genannt. Doch unwilllk\u00fcrlich denkt man bei so viel Schmalz an die alten Christdemokraten Bosbach oder Sch\u00e4uble. Nicht immer formuliert Schumacher so zartf\u00fchlend. Bei ihm verkommen &#8222;ehedem kritische Journalisten n\u00e4mlich schon mal zu Lauterkeitskaspern.&#8220; Er meinte damit nat\u00fcrlich nicht sich selbst, denn kritischen Journalismus muss sich unser &#8222;Welt&#8220; &#8211; Autor nun wirklich nicht \u00a0vorwerfen lassen, wie sein gesamter Jubelartikel zu den Guttenbergs zeigt.<\/p>\n<p><em>In Rekordzeit sind Stephanie und Karl-Theodor zu Guttenberg zum Traumpaar der Berliner Republik aufgestiegen. Endlich kann Deutschland wieder mithalten im internationalen Herzenswettbewerb. Wie selbstverst\u00e4ndlich haben die Guttenbergs die Rolle der Ersatzmonarchen \u00fcbernommen, stolz, edelm\u00fctig und strahlend sch\u00f6n. Ein Geschenk des Himmels f\u00fcr ein Land, das zwischen Tradition und unsicherer Zukunft nach Orientierung sucht. \u201eKaTe\u201c, 38, wie Freunde ihn nennen, und seine Stephanie, 33, f\u00fcllen endlich ein emotionales Vakuum der deutschen Seele&#8230;.\u00a0<em><em>Dieser Kanon, im Gestern verwurzelt und dem Morgen zugewandt, bedient die Heile-Welt-Sehns\u00fcchte von gef\u00fchlten 80 Prozent der Deutschen.<\/em><\/em><\/em><\/p>\n<p>Die Ersatzmonarchen! Genau! Das waren noch Zeiten, als die Guttenbergs noch als Raubritter durchs Land zogen und mit deren Kumpel von Absberg, dem &#8222;Schrecken Frankens&#8220;, schon mal anderen Leuten zur &#8222;Strafe&#8220; die rechte Hand abhackten. Oder als wir noch richtige Monarchen hatten. Wer erinnert sich bei so viel royalistischer Wallung nicht gerne an die heile Weltkriegsf\u00fchrung Wilhelm des Zweiten, an die sagenhaft verwunschenen Ereignisse um Ludwig, also den in bayerischen Gew\u00e4ssern verschollenen Erbauer Neuschwansteins? Oder denken wir \u00a0gar an den Papa von Friedrich II, also Friedrich I, der den schwulen Lover seines lieben Sohnes, Hans Hermann von Katte, mal eben so per Weisung ans Gericht hinrichten liess! Und Friedrich musste zur Warnung dabei auch noch zuschauen. Tja- das sind die anr\u00fchrenden monarchistischen Geschichten, nach denen 80% des\u00a0<em>&#8222;Vakuums der deutschen Seele&#8220;<\/em> lechzt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind die Guttenbergs von heute ganz anders. Die von den Vorfahren geraubten L\u00e4ndereien und Besitzt\u00fcmer geh\u00f6ren nun endg\u00fcltig ihnen und dem Clan nunmehr ganz legal. Guttenbergische Schl\u00f6sser wurde unter Verletzung des Denkmalschutzes zuletzt im Jahre 1523 angez\u00fcndet, was als stabile Lage bezeichnet werden kann. So ist er also wirklich zu beneiden:<\/p>\n<p><em>Nicht er braucht die Politik, sondern sie braucht Leute wie ihn, der mit edler Herablassung vor allem eines signalisiert: Unabh\u00e4ngigkeit. <\/em><em>Und so stehen die Guttenbergs <\/em><em><strong>nicht nur<\/strong><\/em><em> <\/em>(Anmerkung: Die Formulierung <strong>nicht nur<\/strong> ist aber sehr aufm\u00fcpfig, lieber Dr. Schumacher!)<em> f\u00fcr karrierehungrige Tagespolitik und blonde Charity, sondern f\u00fcr die sch\u00f6nen, langen Linien eines romantischen Urgef\u00fchls: L\u00e4ndereien, ein Schloss und das Gesp\u00fcr f\u00fcr angemessenen Ton, die Bereitschaft zum \u00f6ffentlichen Auftritt, den Kampf f\u00fcr die Seelen missbrauchter Kinder, noch versehen mit einer hom\u00f6opathischen Dosis freakigen Schmuddels in Form eines AC\/DC-T-Shirts.<\/em><\/p>\n<p>Zu den missbrauchten Kindern kommen wir sp\u00e4ter. Aber ein AC\/DC- T-Shirt. Igitt igitt: Das ist ein wirklicher Fauxpas, lieber Herr Schumacher. Steffi hat sich doch gerade in ihrem Buch gegen das sexualisierte Gehabe in Musikvideos ausgesprochen. Es ist unfair, Steffis dagegen gerichteter Kampf ausgerechnet damit zu konterkarieren, in dem man die <em>edle Herablassung<\/em> der Dame aus bismarckschem Gebl\u00fct zu den sexualisiert freakigen Schmuddeljungs von AC\/DC schelmisch in Beziehung setzt.<\/p>\n<p>Auch wenn jeder dieser AC\/DC- Typen in jeder Kneipe kerniger, sympathischer und authentischer sein d\u00fcrfte als es Karl- Theodor zu Guttenberg wohl je sein wird: \u00a0Steffi huldigt da offensichtlich falschen Vorbildern f\u00fcr unsere arme verderbte Jugend! Der AC\/DC Bon Scott starb durch Alkoholvergiftung an dem eigenen Erbrochenem, Phil Rudd stieg wegen Alkoholabh\u00e4ngigkeit aus, Malcolm Young hatte auch jede Menge Promille. Von anderen Eskapaden wollen wir gar nicht erst reden. Diese AC\/DC- Verehrung Stephanies darf, auch wenn sie sie nur <em>hom\u00f6opathisch <\/em>sein sollte, von Schumacher mittels eines solch perfiden Nebensatzes nun wirklich nicht verharmlost \u00a0werden!<\/p>\n<p>Zumal solche Kritik v<em>irtuos die Mutterseele trifft, wenn sie gegen die pornografisierte Gesellschaft wettert, eine Pop-Nudel wie Lady Gaga zur Ursache alles B\u00f6sen erkl\u00e4rt. <\/em><\/p>\n<p>Genau! Die Mutterseele ist gefragt, wenn der eigene pubertierende Nachwuchs durch Lady Gaga fr\u00fchzeitig falschen Frauenbildern anh\u00e4ngt, wie Stephanie in ihrem Buch zu berichten weiss! Aber apropos Gaga. Widmen wir uns weiter der Lyrik Dr. Schumachers:<\/p>\n<p><em>Der Politiker Guttenberg bringt das Kunstst\u00fcck fertig, als Schwan im Schwarm struppiger Br\u00fcckentauben wahrgenommen zu werden. Ja, er ist Politiker, und doch wird er ganz anders wahrgenommen.<\/em><\/p>\n<p>Politiker und Schwan unter Br\u00fcckentauben! Das r\u00fcckt ihn in ganz neue Sph\u00e4ren: Wen aber meint Schumacher mit den Br\u00fcckentauben? Hier wird er im Gegensatz zu den alten M\u00e4nnern endlich ganz deutlich:<\/p>\n<p><em>Ob Merkel oder Gabriel, Westerwelle, Trittin oder Seehofer, sie alle sind angestrengte Empork\u00f6mmlinge.<\/em><\/p>\n<p>Da haben wir sie! <em>Empork\u00f6mmlinge<\/em>! Ohne Adel! Ohne Stammbaum! Ohne Raubritterblut! Nur mit b\u00fcrgerlicher Herkunft! Kein Guttenberg w\u00fcrde je eine Angela Merkel heiraten oder gar einen Trittin zum Tag der offenen T\u00fcr ins Schloss bitten. Noch nicht mal L\u00e4ndereien hat dieses Gesocks. \u00a0Wie nur k\u00f6nnen es sich die erdreisten, Politik machen zu wollen? Deshalb ist klar:<\/p>\n<p><strong><em>NICHT ER BRAUCHT DIE POLITIK, DIE POLITK BRAUCHT LEUTE WIE IHN (Schumacher)<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Also IHN, den <em>k\u00fchnen <\/em>Franken:<\/p>\n<p><em>..der sich beim Opel-Streit k\u00fchn gegen die Kanzlerin stellt oder sich wie Dean Martin im Glanz des n\u00e4chtlichen Manhattan knipsen l\u00e4sst.Wenn sich so einer ohne Not in die Niederungen der Gremien begibt, dann scheint es ihm wohl ums gro\u00dfe Ganze zu gehen, um Prinzipien, Pflichtbewusstsein. Um all das, was die Politik l\u00e4ngst verloren zu haben scheint.<\/em><\/p>\n<p>Aber warum nur tut er sich das <em>ohne No<\/em>t an, statt auf den Schl\u00f6ssern der V\u00e4ter oder im n\u00e4chtlichen Manhattan zu weilen? Die Antwort auf diese die Nation bewegende Frage lautet schlicht und ergreifend\u00a0<em>Pflichtbewusstsein.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Guttenbergs fallen auch auf, weil der Rest der politischen Klasse mit ihrem Mittelma\u00df eine ideale B\u00fchne bietet, auf der die fr\u00e4nkischen Kennedys einfach auffallen m\u00fcssen. Ernste Konkurrenz droht allenfalls noch von Ursula von der Leyen, gleichfalls aus edlem wie betuchtem Hause und gleichfalls im Rang einer patriotischen Pflichtmaschine.<\/em><\/p>\n<p><em>Patriotische Pflichtmaschine aus edlem wie betuchten Hause<\/em>! Welch geniale Wortsch\u00f6pfung. Das erkl\u00e4rt alles. Unvermeidlich enth\u00e4lt uns Schumacher die Defizite der patriotischen Pflichtmaschinen derer zu und von der Leyens \u00a0gl\u00fccklicherweise \u00a0auch nicht vor:<\/p>\n<p><em>Nur hat Herr von der Leyen so gar keine Chance gegen Stephanie, die Ururenkelin von Otto F\u00fcrst von Bismarck, die eine Spitzenbluse mit verhaltener Laszivit\u00e4t zu tragen wei\u00df. Nein, die Guttenbergs bedienen als Monopolisten jene deutsche Sehnsucht nach einem Traumpaar mit Niveau.<\/em><\/p>\n<p>Wieder eine Formulierung, auf die man erst einmal kommen muss! <em>Traumpaar mit Niveau <\/em><em>mit verhaltener Laszivit\u00e4t.<\/em> Man muss sich Herrn von der Leyen in dieser Bluse gar nicht erst vorstellen, um zu erkennen, dass er da nat\u00fcrlich schon verloren hat. Dies\u00a0<em>verhaltene Laszivit\u00e4t<\/em> bringt uns jetzt aber endg\u00fcltig zu den Kennedys.<\/p>\n<p>Was um Himmels Willen hat Herrn Schumacher zu diesem gewagten fr\u00e4nkisch- irisch-amerikanischen Vergleich verf\u00fchrt? Kennedy entspringt laut Wikipedia zwar dem g\u00e4lischen Wort &#8222;cinneidigh&#8220; was \u00fcbersetzt &#8222;schwarzer Kopf&#8220; bedeutet. Dies mag in Anbetracht der CSU- Mitgliedschaft vieler Guttenbergs noch auf einen gewissen logischen Zusammenhang schliessen lassen. Doch dar\u00fcber hinaus bleibt er uns jeden sonstigen Beleg f\u00fcr die\u00a0<em>fr\u00e4nkischen Kennedys <\/em>schuldig.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns jetzt erneut an die\u00a0<em>Spitzenbluse mit verhaltener Laszivit\u00e4t. <\/em>So eine trug wohl die arme Rosemary Kennedy, bevor sie wegen ihres &#8222;umtriebigen Wesens&#8220; auf Wunsch der Familie einer Gehirnoperation mit anschliessender lebensl\u00e4nglicher Behinderung unterzogen wurde. Vorsicht Steffi! Gehirne kann man heute noch operieren!<\/p>\n<p>Dem Gatten sei dem gegen\u00fcber von einem fr\u00e4nkischen Chappaquiddick abgeraten. Wir erinnern uns, dass Ted Kennedys Wahlkampfhelferin dort ertrank. Keiner wusste, was die beiden an diesem Bach n\u00e4chtens und mitten im Wahlkampf verloren hatten. Guttenbergs Wahlkampfhelfer leben hoffentlich alle noch! Der Sohn von Robert Kennedy hatte wiederum eine Aff\u00e4re mit der minderj\u00e4hrigen Babysitterin seiner Kinder, was unsere Pornosteffi (Netzjargon) zu Guttenberg sicher (berechtigt) in ihrem Buch zu kritisieren h\u00e4tte. Schliesslich beschwerte sich selbst die gute Jacqueline, sp\u00e4tere Onassis, \u00a0nicht nur einmal \u00fcber solcherart \u00fcble Manieren und den Umgangston des Kennedy- Clans. Zu diesem liessen sich viele weitere schl\u00fcpfrige Details schildern, \u00fcber die man sonst zu Hofe kaum zu reden wagt.\u00a0Also, Herr Schumacher: Nehmen sie diesen wenig schmeichelhaften Vergleich der edlen Guttenbergs mit diesen Kennedys umgehend zur\u00fcck!<\/p>\n<p>Denn Manieren und Umgangston der stolzen Franken sind zumindest in der Neuzeit wenig zu kritisieren. Immerhin gab es in der Familie nach \u00dcberwindung der Raubritterzeit (wo gehobelt wird fallen schliesslich Sp\u00e4ne) durchaus interessante Pers\u00f6nlichkeiten. Einige brachten Hitler sogar Widerstand entgegen. Andere wiederum beteiligten sich, h\u00fcbsch adlig ausgewogen, demgegen\u00fcber bereits am Kapp-Putsch vor 90 Jahren. Immer gut, wenn man f\u00fcr alle Seiten offen ist!<\/p>\n<p>Um die Familie interessant darzustellen, bedarf es also kaum des hinkenden Kennedy- Vergleichs. Und bei allem Respekt vor dem ermordeten John F.: Vietnam war dessen Krieg. Auch dies d\u00fcrfte ein falsches Vorbild f\u00fcr einen deutschen Verteidigungsminister sein, der Truppen am Hindukusch befehligt.<\/p>\n<p>Kommen wir nun aber wieder zu Stephanie, Deutschlands &#8222;heimlicher First Lady&#8220; (BILD):<\/p>\n<p><em>Wer wollte kritisieren, dass sie als Pr\u00e4sidentin von \u201eInnocence in Danger\u201c zur Primetime Volksaufkl\u00e4rung gegen Kindesmissbrauch betreibt? <\/em>(Sendungen Tatort Internet, RTL2) <em>Dieser Kampf ist von unangreifbarem Edelmut, illustriert aber eben auch ein traumwandlerisches Gesp\u00fcr f\u00fcrs Volksempfinden.<\/em><\/p>\n<p>Das <em>Volksempfinden<\/em>! Es fehlt eigentlich nur noch die Formulierung GESUNDES <em>Volksempfinde<\/em>n. Und die Frage, wer dies kritisieren wollte, kann \u00a0beantwortet werden: Jeder seri\u00f6se Journalist sollte die Art und Weise dieser <em>&#8222;Volksaufkl\u00e4rung&#8220;<\/em> kritisieren. Selbst Welt-Online konnte sich am 8.10. mit wenigstens ein bisschen Kritik nicht ganz zur\u00fcckhalten: &#8222;Guttenbergs Auftritt zeugt von guter Absicht&#8230; von mehr aber auch nicht.&#8220; Ihr und damit auch &#8222;Innocence in Danger&#8220; ist aber noch nicht einmal diese gute Absicht oder gar <em>Edelmut<\/em> zu unterstellen. Guttenbergs von BILD bis stern hochgejubelter Verein f\u00e4llt n\u00e4mlich vor allem durch mangelnde Seriosit\u00e4t und \u00a0Falschinformationen gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit auf.<\/p>\n<p>So r\u00e4umt selbst Guttenberg zwar ein, dass 80-90% aller Taten sexuellen Missbrauchs in der Familie stattfinden.\u00a0Dennoch suggeriert sie vor allem mittels &#8222;Tatort Internet&#8220; das Gegenteil, um daraus die Forderung nach dem in Deutschland bislang erfreulicherweise gescheiterten Zugangserschwerungsgesetz (bekannt als Zensursula-Gesetz) abzuleiten, das in Europa derzeit wieder fr\u00f6hlich Urst\u00e4nd feiert. Es ist merkw\u00fcrdig, dass eine vermeintliche Kinderschutzorganisation lediglich einen Vorhang vor den Missbrauch h\u00e4ngen will. Noch merkw\u00fcrdiger ist, dass diese Organisation allein dank ihrer Beziehungen in Br\u00fcssel zu Anh\u00f6rungen zum Thema &#8222;Kinderpornographie&#8220; geladen wird, obgleich sie zum Thema selbst au\u00dfer H\u00f6rensagen kaum etwas beizutragen hat.<\/p>\n<p>Sie widmet sich nicht der Frage, warum beispielsweise das Bundeskriminalamt seit Jahren keine einschl\u00e4gig bekannten Kinderpornoseiten l\u00f6schen l\u00e4sst und sich allen Bem\u00fchungen um das L\u00f6schen, im Gegensatz zu \u00a0betr\u00fcgerischen Seiten im Bankenbereich, beharrlich widersetzt. Daf\u00fcr darf der Pr\u00e4sident dieses Bundeskriminalamts in Guttenbergs Buch seinen \u00fcblichen und \u00a0hinl\u00e4nglich bekannten Humbug wiederholen, dass es vor allem gesetzgeberischer Massnahmen bed\u00fcrfe, das Problem zu l\u00f6sen. Im Buch wird einmal mehr durch Ziercke, dessen gespanntes Verh\u00e4ltnis zur Wahrheit hinl\u00e4nglich dokumentiert ist, die l\u00e4ngst widerlegte M\u00e4r vom &#8222;kommerziellen Markt&#8220; f\u00fcr Kinderpornografie im Web wiederholt. Diese falschen Behauptungen werden wiederum von Guttenberg in Talkshows und Interviews in die Welt posaunt. Es entsteht der nahe liegende Verdacht, dass es in Wahrheit nicht um sexuell missbrauchte Kinder geht.<\/p>\n<p>Vielmehr soll mit solchen \u00a0Behauptungen unter dem Vorwand der Bek\u00e4mpfung von Kinderpornografie im WWW bis hin zur Vorratsdatenspeicherung die fl\u00e4chendeckende pr\u00e4ventive \u00dcberwachung der B\u00fcrger in Deutschland und Europa herbeigeredet werden.<\/p>\n<p>Interessant ist dessen ungeachtet, dass die Gremien von &#8222;Innocent in Danger&#8220; eine Ansammlung adliger Pers\u00f6nlichkeiten darstellen, die sich ansonsten allerdings bemerkenswert wenig um Themen wie Kinderarmut, Kinderarbeit oder Strassenkinder k\u00fcmmern. Davon findet sich bei dieser Organisation kein Wort. Allein das Intenet scheint deren Problem zu sein.\u00a0Angesichts der Finanzkraft von Guttenberg &amp; Co ist es unabh\u00e4ngig davon aber eigentlich erstaunlich, dass der Verein selbst auf seinem &#8222;Spezialgebiet&#8220; bemerkenswert wenige Projekte realisiert und keinerlei eigene Expertise aufweist.<\/p>\n<p>In Gesch\u00e4ftsberichten ist von in den Jahren 2008 und 2009 f\u00fcr traumatisierte Kinder und Jugendliche durchgef\u00fchrten Sommercamps die Rede. Wo ist die kontinuierliche Arbeit mit diesem Personenkreis? Welche Studien wurden auf den Weg gebracht und finanziert? Eine Studie zur &#8222;Versorgung kindlicher und jugendlicher Opfer kinderpornografischer Ausbeutung in Deutschland&#8220; aus den Jahren 2004 &#8211; 2007 wurde jedenfalls von der Aktion Mensch gef\u00f6rdert. Ebenso ein Pr\u00e4ventonsmodellprojekt mit &#8222;Kreativwochenenden&#8220; 2009.<\/p>\n<p>Aus den Jahren 2010 sind derzeit noch keine Aktivit\u00e4ten ver\u00f6ffentlicht, die tats\u00e4chlich in irgendeiner Form sexuell missbrauchten Kindern und Jugendlichen genutzt h\u00e4tten. Daf\u00fcr wurde die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des obskuren Vereins, Frau von Weiler, von Ministerin Kristina Schr\u00f6der\u00a0gemeinsam mit Georg Ehrmann von der wegen fragw\u00fcrdiger Gesch\u00e4ftspraktiken gleichfalls in der Kritik stehenden &#8222;Deutschen Kinderhilfe&#8220; \u00a0in das Bundesjugendkuratorium berufen. Dort agitieren die Beteiligten, wie in Br\u00fcssel, f\u00fcr die vom BKA geforderte Zensurinfrastruktur f\u00fcr das Internet. Eine kritische Reflektion, ob dies missbrauchten Kindern \u00fcberhaupt hilft (es hilft nicht!), unterbleibt.<\/p>\n<p>Deshalb muss man Schumacher dankbar sein, dass er die tats\u00e4chlichen Motive des Traumpaars am Schluss seiner Guttenberg-Hymne wenigstens noch erw\u00e4hnt:<\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Bleiben sie <\/em>(also Stephanie und Karl-Theodor) <em>halbwegs fehlerfrei, werden sie sp\u00e4testens am \u00fcbern\u00e4chsten Bundestagswahlkampf als Spitzenkandidaten teilnehmen, zumal nicht eben reichlich junge Alphatiere in der CDU bereitstehen.<\/em><\/p>\n<p>Und f\u00fcr dieses Ziel wird selbst der Missbrauch von Kindern f\u00fcr Frau zu Guttenberg zur reinen Effekthascherei.<\/p>\n<p>Deshalb sei Ihnen, lieber Hajo Schumacher, \u00a0f\u00fcr diesen Artikel trotz der eklig-elit\u00e4r-komischen Diktion \u00a0gedankt. Zu danken ist Ihnen auch f\u00fcr diesen Satz \u00fcber Ihre Kollegen, der uns zeigt, wo Sie anzusiedeln sind:<\/p>\n<p><em>Journalisten sind wie Insekten. Es gibt unz\u00e4hlige Arten: gro\u00dfe, kleine, schillernde, giftige, laute, aggressive, tr\u00e4ge, l\u00e4stige.<\/em><\/p>\n<p><strong>Hier der Link zum vollst\u00e4ndigen Artikel:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/mobil.welt.de\/article.do?id=%2Fpolitik%2Fdeutschland%2Farticle10207855%2FUnsere-Guttenbergs-die-fraenkischen-Kennedys.html\">http:\/\/mobil.welt.de\/article.do?id=%2Fpolitik%2Fdeutschland%2Farticle10207855%2FUnsere-Guttenbergs-die-fraenkischen-Kennedys.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der schwedischen Monarchenhochzeit gab es nicht mehr viel adlig Neues zu berichten. Diese nachrichtenarme Zeit hat uns der durch seine F\u00f6nfrisur bekannte Journalist und Moderator Dr. Hajo Schumacher mit einem welt-online Beitrag zu &#8222;unseren Guttenbergs&#8220; etwas ertr\u00e4glicher gemacht. 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