{"id":1040,"date":"2010-06-10T10:50:32","date_gmt":"2010-06-10T08:50:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=1040"},"modified":"2010-06-10T21:35:27","modified_gmt":"2010-06-10T19:35:27","slug":"von-ruhrbaronen-und-anderen-journalisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tauss-gezwitscher.de\/?p=1040","title":{"rendered":"Von Ruhrbaronen und anderen Journalisten"},"content":{"rendered":"<p>Ja: Ich habe Fehler gemacht. Ja: Ich bin (wenn auch nicht rechtskr\u00e4ftig) verurteilt. Ja: Ich habe kinder- und jugendpornografisches Material als Eintrittskarte in die &#8222;Szene&#8220; besessen. Ja: Das Gericht hat ein &#8222;pers\u00f6nliches&#8220; Interesse unterstellt und kein dienstliches Interesse und nochmals Ja: F\u00fcr den Nachweis eines sexuellen Interesses war ich zu &#8222;atypisch&#8220; was Menge, die Bilder selbst und mein Verhalten anlangt. Das sind zun\u00e4chst einmal die Fakten, \u00fcber die eine unabh\u00e4ngige Presse berichten kann, darf und muss.<\/p>\n<p>Ja: Ich bin auch offensichtlich eine Person des \u00f6ffentlichen Interesses und deshalb schlagen die Wogen wohl h\u00f6her, als bei nicht vergleichbaren F\u00e4llen in anderen Parteien oder Institutionen. Deshalb landet mein Fall auch im gro\u00dfen Schwurgerichtsfall vor dem Landgericht und nicht vor einem Amtsrichter.<!--more--><\/p>\n<p>Der &#8222;Fall Tauss&#8220; ist interessant, weil ich gerne austeile und ich mich als Abgeordneter nachweislich \u00fcber viele Jahre auch mit dem Thema Pornografie mit Kindern in Medien und dem Jugendmedienschutz besch\u00e4ftigte. Und zwar dienstlich. Auch dies unterscheidet meinen Fall von anderen F\u00e4llen. Man darf deshalb auch trefflich dar\u00fcber streiten, was durch die T\u00e4tigkeit eines Abgeordneten noch gedeckt ist und was nicht. Dar\u00fcber muss im Zweifel jetzt sogar der BGH entscheiden.<\/p>\n<p>Alle diese Punkte geben eigentlich gen\u00fcgend Stoff f\u00fcr Presseberichterstattungen ab. Sollte man meinen. Doch offensichtlich gehen gewissse Journalistinnen und Journalisten davon aus, dass man feststehende Punkte mit reisserischen Darstellungen immer noch ein bisschen anreichern muss.<\/p>\n<p>Da ist einmal Frau Allg\u00f6wer von der Stuttgarter Zeitung, die mich\u00a0schon in ihrer Funktion als Vorsitzende der Landespressekonferenz seit Jahren eigentlich gut kennen sollte. Die Dame ist so politisch, dass sie schon mal den Landespresseball am Jahrestag der Reichspogromnacht feierte, was selbst dem damaligen, in 3. Reich-Fragen nicht ganz so sensiblen, Ministerpr\u00e4sidenten Oettinger zu viel wurde.<\/p>\n<p>Diese Frau Allg\u00f6wer bestritt fr\u00fch, dass ich jemals als Abgeordneter mit dem Thema zu tun gehabt h\u00e4tte. Sie behauptete es einfach. Sie erkundigte sich nicht bei Journalisten, die mit mir zu diesem Thema schon Interviews gemacht hatten, sie recherchierte nicht, sie fragte mich nicht. Es war ihr auch gleichg\u00fcltig. Es ging ihr allein um die Besch\u00e4digung meiner Reputation \u00fcber den reinen &#8211; und nat\u00fcrlich schlimmen &#8211; Tatvorwurf hinaus.<\/p>\n<p>Damit stand sie wenigstens nicht allein. Die Landespresse folgte ihrer Vorsitzenden bereitwillig. Besonders fiel dabei noch der S\u00fcdkurier auf, die Schw\u00e4bische Zeitung und nat\u00fcrlich mein regionales &#8222;Hausblatt&#8220;, die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN).<\/p>\n<p>Letztere wusste k\u00fcrzlich sogar vom Verlust meiner Ruhegehaltsanpr\u00fcche zu berichten, was dann schon den Metzger im Dorf zu sorgenvoller Nachfrage bei meiner Frau veranlasste. Man schreibt halt mal. Eben so. Ohne Kenntnis. Ohne Recherche.<\/p>\n<p>Die Phanstasie bei den Qualit\u00e4tsjournalisten bl\u00fchte auch ansonsten. FOCUS schrieb im letzten Jahr so kurz wie falsch, dass ich mir f\u00fcr \u00fcber 1.000 Euro kinderpornografisches Material beschafft h\u00e4tte. Dies verwechselte Phoenix dann mit \u00fcber 1.000 kinderpornografischen Bildern auf meinem Rechner. Kann ja mal vorkommen. Jede dieser Meldungen wurde aber durch andere begierig aufgegriffen, aufgebauscht und weiter angereichert. Dieser Tauss musste doch einfach l\u00fcgen.<\/p>\n<p>So entstand die Geschichte, ich h\u00e4tte behauptet, das einschl\u00e4gige Handy in einem Mietwagen gefunden zu haben. Es ist schon fast beleidigend, dass mir eine derart d\u00e4mliche Ausrede gegen\u00fcber den Ermittlungsbeh\u00f6rden unterstellt wird. Aber es liest sich gut, passt zum Thema und so wurde auch diese Story von Spiegel, ZEIT, N 24 und Frankfurter Rundschau bis zum Einschreiten meines Anwalts weiter verbreitet. Einfach so. Man kann sich ja mal irren.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt \u00fcberschlug sich Spiegel online im Fall Tauss besonders. Das ist ein durchaus verst\u00e4ndliches Revanchefoul, denn ich konnte den Herrschaften mehrfach miesen Journalismus bescheinigen. Dies ging soweit, dass dort sogar ein Artikel zum Fall Tauss erschien, von dem selbst die namentlich angegebene Autorin gar nichts wusste.<\/p>\n<p>Da sich die Staatsanwaltschaft in meinem Falle besonders gerne im sexuellen Bereich \u00fcber den Tatvorwurf hinaus suhlte, gab es auch hier Stoff f\u00fcr weitere Berichterstattungen. Das Hamburger Abendblatt verband meine Person namentlich mit der Berichterstattung \u00fcber die Schweinegrippe. Ab wann wird der Mensch zum Schwein, das man auch abstechen darf? Dass selbst das Gericht diesen Ausw\u00fcchsen eine Absage erteilte, war allerdings zumindest den meisten Printmedien keine Meldung wert.<\/p>\n<p>Um so mehr befl\u00fcgelte das Thema die Phantasie der &#8222;Ruhrbarone&#8220;. Bei diesen Ruhrbaronen handelt es sich nach eigenen Angaben um Journalisten, die einen Blog betreiben. Deren Phantasie und redaktionelle Verantwortung endete weder bei meinen vermeintlich aus den Internet heruntergeladenen unterstellten &#8222;Wichsvorlagen&#8220; (dabei ging es ausdr\u00fccklich nicht um das Internet) noch bei der eigenen Kommentarspalte, wenn vom &#8222;Kinderficker&#8220; Tauss die Rede war. Gibt es keine redaktionelle Verantwortung f\u00fcr Kommentarspalten?<\/p>\n<p>Wenige waren der Auffassung, ich m\u00fcsse mir dies alles im Interesse der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung gefallen lassen. Nein. Muss ich nicht. Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind ein zu hohes Gut, als dass damit in dieser Form umgegangen werden darf. Meinungsfreiheit endet, wo sie zur Verleumdung wird.<\/p>\n<p>Egal wie der Fall Tauss ausgeht: Ein Ruhmesblatt f\u00fcr unsere Medien ist er nicht. Und ich freue mich sehr, dass dies nicht nur von mir als Betroffenem so gesehen wird.<\/p>\n<p>Einige empfehlen mir dessen ungeachtet, doch einfach von der Bildfl\u00e4che zu verschwinden und &#8222;neu&#8220; anzufangen. Diesem Wunsch komme ich nicht nach. Dazu ist das alles viel zu spannend. Und: Via twitter &amp; Co kann man sich heute gegen Journalisten von Allg\u00f6wer bis ZEIT wehren. Haben die deshalb so viel Schaum vorm Mund?<\/p>\n<p>?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja: Ich habe Fehler gemacht. Ja: Ich bin (wenn auch nicht rechtskr\u00e4ftig) verurteilt. Ja: Ich habe kinder- und jugendpornografisches Material als Eintrittskarte in die &#8222;Szene&#8220; besessen. 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