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Schröders Notrufbutton

15. Dezember 2011

Wenn wir ganz früher Nachbarn ärgern wollten haben wir geklingelt und sind unerkannt schnell davon gerannt. Ganz böse Buben warfen auch schon mal die Scheibe am Feuermelder ein und drückten den Knopf. Was dann kam war ne Ohrfeige, die Feuerwehr, Theater mit dem Rektor und die Verhängung von Stubenarrest für einen der etwas tappigen Ertappten. Er war beim Davonrennen nicht schnell genug.

Damals gab‘s kein Internet.

Heute gibt es Internet und dafür soll es jetzt statt des alten Feuermelders einen Notrufbutton für Kinder für den PC geben. Man muss nur drücken und nicht einmal mehr die Scheibe des Geräts einschlagen. Das ist die neueste Idee von Familienministerin Schröder.

Der Notrufbutton sei eine Art Feuermelder für Kinder und Jugendliche, die gerade vor dem PC sitzen und in der Vorstellungswelt von Frau Schröder von einem bösen Onkel oder aktuell von einem CDU-Landtagsabgeordneten belästigt werden. Er soll ermöglichen, dass ihnen „bei Gewalt oder Belästigung *im Netz* die Hilfe vermittelt werden kann, die sie in einer Gefährdungssituation brauchen“. Frau Schröder hat doch zu viel Unterschichten-Fernsehen mit Stefanie zu Guttenberg geguckt.

Neu ist die Schnapsidee nicht. Das Copyright für einen Notruf-Button im Browser (was war das noch?) liegt seit Oktober 2009 bei Klaus Jansen, dem überwachungsvisionären Chefs des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK).

Unsere tüchtigen Ermittler wollten mit dieser Maßnahme außer der üblichen medialen Wichtigtuerei erreichen, dass die Menschen „ebenso wie offline auch online die Polizei schnell erreichen können, wenn sie sich bedroht fühlen.“ Dumm ist nur, dass ich im Dorf offline bei Bedarf leider keinen Polizisten mehr erreichen könnte, weil der vom CDU- Innenminister längst wegrationalisiert wurde.

Die Idee wurde nach zwei Presseberichten dann auch schnell begraben, als man mit tieferem Nachdenken begann, wie in der Praxis diese Vorstellung von der geforderten Verknüpfung der virtuellen Welt mit der realen Welt verwirklicht werden könnte: Ich drücke den Notrufbutton- und schwupps ist mein Dorfpolizist im Wohnzimmer. Oder ich bekomme mal wieder ne Mail von der Nigeria – Mafia.

*Button*Drück*Sehen was passiert*

Sieh an: Herr Zierckes Anti – Phising – Bekämpfer erscheinen mit wegrationalisiertem Dorfwachtmeister Häberle per ICQ oder um 6 Uhr gleich persönlich zum Kaffee und nehmen meinen PC zur Beweissicherung nebst Croissants gleich wieder mit.

Diese schöne neue Button-Welt soll es also jetzt wenigstens für den Jugendschutz geben, nachdem er sich schon bei der Alltagskriminalität als nicht alltagstauglich erwies. So können bedrohte Kinder das Heer an Akteuren herbeirufen, die daran beteiligt sind, den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Risiken zu organisieren, die mit dem bösen bösen Internet zusammenhängen:

Frau zu Guttenberg in Amerika, Strafverfolgungsbehörden, Jugendschutzeinrichtungen, Meldestellen, Anbieter und ihre Verbände und Selbstkontrolleinrichtungen, eine große Anzahl von staatlichen und nicht-staatlichen Einrichtungen, die Kinder, Jugendliche und Eltern aufklären und informieren sowie Hilfestellungen und Beratung von Opfern leisten. Und natürlich die EU von Frau Malmström.

Da wäre das Kinderzimmer doch zu voll. Mutti würde wegen Überfüllung die Haustüre verriegeln. Daher will Ministerin Schröder jetzt das Internet-Kinderschutzzentrum einrichten. Und wer ist dessen Kopf? Erraten: Frau von Weiler , unsere tüchtige Zensursula-Lobbyistin und Geschäftsführerin von Pornosteffis „Innocence in Danger“ . Da passt es, dass der Spendensammelverein gerade von Köln nach Berlin umgezogen ist.

Sie soll die Gründung des Zentrums „vorantreiben….unter anderem ein Arbeitsprogramm für Kernbereiche wie die Vorbereitung des Notrufbuttons vorbereiten und die vorausschauende Abschätzung der Risiken technischer Entwicklungen im Internet leisen“. Hatten wir mit dem Zugangserschwerungsgesetz da nicht gerade etwas hinter uns gelassen? Sie können‘s nicht lassen.

Wann erschließt sich dieser Ministerin eigentlich, dass Gefährdungen nicht im Netz, sondern in der offline-Welt familiärer und nachbarschaftlicher Strukturen stattfinden? Mit der erneuten Ablenkung von eigentlichen Problemen leistet Frau Schröder wie die sonstige Damen-Riege der zu Weilers Beihilfe zum Missbrauch von Kindern. Resignierend sagte sagte schon Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds, dieser Verein (Anmerkung: Frau Weilers Verein) lenkt von den wichtigen Problemen ab. Nur deshalb hat sie wohl immer freien Zugang zur Ablenkungsministerin.

Echte Fachleute wie Jürgen Ertelt, die am Dialog Internet des Ministeriums mitgewirkt haben, sind frustriert: Die ministeriellen Arbeitsgruppen hätten respektable Ergebnisse hervorgebracht, „die jetzt durch die Maßnahme #Notrufbutton konterkariert werden.“

Auch dieser respektablen Erkenntnis ist nichts hinzuzufügen.

5 Reaktionen zu “Schröders Notrufbutton”

  1. Sabine Engelhardtam 15. Dezember 2011 um 13:05 Uhr

    Höre ich da etwa ein „die Mädels machen im Internet alles falsch“ raus? *fingerheb* 😉

    Sorry, aber so kann man das teilweise schon interpretieren …

    Gruß, Frosch

    Anmerkung tauss: DIESE „Mädels“ schon. Ein ziemlich fanatisierter Haufen: Schröder, Guttenberg, Leyen, Weiler etc.

  2. TobsenDam 15. Dezember 2011 um 14:29 Uhr

    Also Frosch, ich lese dort nur raus, das DIESE „Mädels“ das Internet falsch bedienen, bzw. die falschen Vorstellungen haben.

    Wie wollen die eigentlich verhindern, dass Kinder diesen Knopf nicht einfach so drücken? ist ja nur ein Mausklick und was blinkt und lustig aussieht drückt man schonmal. 😀

    Aufklärung im Thema Medienkompetenz würde da eher helfen, dafür können die gerne ein Zentrum einrichten.

  3. schnirkelam 15. Dezember 2011 um 15:30 Uhr

    Mein PC hat schon einen Notfall-Button. Auch genannt: Aus-Schalter.
    (Ehrlich, Netzkompetenz lernen Kinder am besten, wenn man sie ihnen vorlebt und mit ihnen redet.)

  4. Fischam 18. Dezember 2011 um 13:41 Uhr

    Also das wird sicher lustig wenn Anonymous und konsorten mal zum DDOS gegen diesen Button aufrufen 🙂 ich freue mich schon heute auf die Arschverletztheit der „Mädels“. Allerdings würde das dann nur wieder dazu beitragen, dass nochmehr Gesetze eingeführt werden, da es ja „nicht sein kann“, dass die bösen Internetnutzer einfach so das schöne Gesetz faktisch unwirksam machen. (gut wäre es eh schon mit seiner Verabschiedung vermtl.)

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