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Was juckt ein BKA Fakten?

25. November 2010

Neues vom Bundeskriminalamt in Sachen Kinderpornografie und „kommerzieller Markt“. Das BKA widerspricht der jetzt auch wissenschaftlich untermauerten Tatsache, dass der vielbeschworene kommerzielle Milliardenmarkt für Kinderpornografie nicht wirklich existiert. Man kommt bei investigativster Befragung des BKA auf  circa 6 Millionen. Das wären zweifellos immer noch 6 Millionen zuviel. Aus der Analyse von zahlreichen Kinderpornografie-Ermittlungsakten durch das kriminalwissenschaftliche Institut der Universität Hannover ergab sich dessen ungeachtet  nicht, „dass die Beschuldigten für Missbrauchsdokumente bezahlt hätten“ (Prof. Bernd Dieter Meier). Dr Missbrauch findet dessen ungeachtet zu über 9ß0% nicht auf einem „Markt“ oder „im Internet“, sondern in Familien und in deren Umfeld statt.

Doch was jucken eine Institution wie das deutsche Bundeskriminalamt wissenschaftlich untermauerte Fakten? Es widerspricht kurzerhand der Aussage, dass der kommerzielle Markt bei Kinderpornografie eine geringe Rolle spielt. Marco Herb vom BKA: „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass es einen Milliardenmarkt gibt“. Belege? Statistiken? Systematische Untersuchungen? Fehlanzeige!

Vielmehr sogar Widerspruch zu eigenen Angaben. Befragt nach dem „Milliardenmarkt“ teilte mir das BKA noch im Oktober schriftlich mit………..

….Eine seriöse und belastbare Hochrechnung der Gesamtumsätze von kinder- oder jugendpornografischen Internetinhalten ist aus Sicht der zuständigen Fachabteilung nicht möglich….

Wie seriös und belastbar sind angesichts derartiger Widersprüche in diesem Lande dann eigentlich Terror- und sonstige Warnungen? Wundert es noch, dass das Vertrauen der Menschen in wichtige Institutionen unseres Staates nicht nur bei mir im Sturzflug befindlich ist? Immerhin konnte ich den Vorgang jetzt ans Landgericht Karlsruhe schicken, das mich ja bekanntlich auch mit der originellen Begründung verurteilt hat

…es wäre für den Angeklagten Tauss unproblematisch möglich gewesen, beim Bundeskriminalamt anzufragen…

Nein, hohes Gericht: Es war dem Bundestagsabgeordneten Tauss nach vielfältigen Erfahrungen dieser Art eben nicht (mehr) zumutbar, sich an dieses Bundeskriminalamt zu wenden.

Weitere Links:

http://www.zeit.de/digital/internet/2010-11/kinderpornografie-whiteIT-schuenemann

Artikel (Bosbach-Milliarden) auf tauss-gezwitscher:

http://www.tauss-gezwitscher.de/?p=1256

11 Reaktionen zu “Was juckt ein BKA Fakten?”

  1. AbbeFariaam 25. November 2010 um 15:15 Uhr

    @Herrn Tauss:
    Ich selbst teile ja Ihren zunehmenden Vertrauensverlust in staatliche Institutionen. Bei mir ist dies mittlerweile ein über Jahre andauernder Prozess.
    Aus reiner Neugier, wann hat der Prozess bei Ihnen eingesetzt, bzw. so an Geschwindigkeit gewonnen, dass Sie von einem Sturzflug sprechen?
    Der Kompromat-Prozess, die vorangegangene, jahrelange parlamentarische Arbeit oder schon vorher?

  2. freeam 25. November 2010 um 15:53 Uhr

    Marco Herb vom BKA: “Wir gehen nach wie vor davon aus, dass es einen Milliardenmarkt gibt”. Belege? Statistiken? Systematische Untersuchungen? Fehlanzeige!

    Jeder einigermaßen bewanderte Internetkenner weiss seit Jahren das solch ein Milliardenmarkt nicht existiert, noch jemals existiert hat oder unentdeckt existieren kann. Allein der Umstand, dass anscheinend nach all den Jahren noch kein einziger dieser, dann wohl zigmillionenschwerer Händler aufgeflogen ist muss zum nachdenken zwingen.

    Was mich jedoch mehr als stutzig macht ist, dass sich diese Falschannahmen so hartnäckig halten. Die Legislative diese sogar zur wesentlichen Grundlage von Gesetzesänderungen und zu neuer Gesetzgebung heranzieht. Kein Journalist, keine Zeitung, kein Fersehsender versucht diesen Betrug zu entlarven.
    Jedoch ist dies nicht nur beim Thema Kinderpronografie der Fall, erinnern wir uns nur an die Straßensperren gegen die ach so gefährliche Vogelgrippe, die Hysterie mit der Schweinegrippe, das Finanzcasino und jetzt wieder die Neuauflage der Terrorangst.
    Überall wurde die Bevölkerung einseitig falsch informiert, wurde ihr die Wahrheit verschwiegen bzw. Falschannahmen niemals berichtigt. Woran liegt das, was soll damit bezweckt werden?

    Aus meiner eigenen Erfahrung als Vorsitzender einer Bürgerinitiative gegen Verwaltungsunrecht (Baubehörden) kommt mir ein fast absurder Verdacht.
    Den Behörden ging es niemals um die korrekte Anwendung der Gesetzestexte, das einzige was zählte war immer blos keinen Fehler eingestehen zu müssen, egal welcher Schaden bei den betroffenen Bürgern dadurch entstanden ist, egal ob dazu Rechtsbruch seitens der Behörden notwendig war. Im besten Fall konnten wir eine fadenscheinig begründete Rücknahme nachweislich rechtswidriger Entscheidungen erreichen, niemals aber ein Schuldeingeständniss. Dies aber auch nur dann, indem wir über Tageszeitungen und Medien diese Fälle publik gemacht hatten. Sobald es aber um Straftatbestände wie z. Bsp. nachweislich illegale Nebentätigkeiten von Behördenmitarbeitern ging wollten weder Presse noch TV-Medien darüber berichten. Das war denen zu heiss. Warum?

    Für mich wurde damit deutlich, dass wir es damals mit einem versagen sämtlicher formeller und informeller Kontrollinstanzen zu tun hatten. Auch in Ihrem Fall Herr Tauss scheint mir das so gewesen zu sein, wodurch ich die Legitimation Ihrer Recherche als Abgeordneter nicht nur als gegeben erachte, sondern es wäre sogar ihre Plicht als Abgeordneter gewesen, sofern sie einen begrünbaren Verdacht auf Falschinformation hatten.

    Was ich jedoch nicht verstehe ist, dass Sie als langjähriger Abgeordneter anscheinend keine Kenntnis vom notorischen Versagen der Kontrollinstanzen in diesem Land hatten. Anhand der Statistiken von unseren Verwaltungsgerichten ist dies durchaus Ablesbar, wo vor 30 Jahren noch teils über 40 % der Fälle zugunsten der Bürger entschieden wurden sind dies heutzutage oftmals nicht mal 3%.

  3. Wolfgang.Lohmannam 25. November 2010 um 18:19 Uhr

    Passend dazu das ehemalige Nachrichtenorgan

    http://www.stern.de/panorama/kinderporno-prozess-angeklagte-verraten-ihre-methoden-1627781.html

  4. Wolfgang.Lohmannam 25. November 2010 um 18:37 Uhr

    selbst die Blöd steuert was bei:

    „Sie eröffneten geheime Chaträume im Internet, bauten von 2006 bis 2009 ein riesiges Netzwerk auf, tauschten rund 100 000 Dateien mit kinderpornografischem Material.“

    http://www.bild.de/BILD/news/2010/11/25/kinderporno-ring-hohe-haftstrafen-urteil/bande-zwei-bis-fuenf-jahre-mega-prozess-darmstadt.html

  5. mcbrxam 25. November 2010 um 18:50 Uhr

    Jepp, @free, die Medien sind ja eines unserer Hauptprobleme. Das Volk wird für blöd verkauft und die Nutznießer kommen immer wieder damit durch.
    (Und Hr. Tauss kennt sich mit den Folgen da bestens aus.. ;))
    Deine Statistik ist insoweit erschreckend, als daß in 30 Jahren jede Menge neue Gesetze erlassen und, wie in Deutschland üblich, immer komplexer und undurchschaubarer werden. Insoweit sind die 3% ein Maß der Abgehobenheit und Lebensferne der Behörden, der Bürger hat hier eindeutig die Arschkarte.
    Die KP passt da rein, es *hat* ein Mrd-Markt zu existieren, also her mit Gesetzen! Genauso: Terror und Bomben an jeder Ecke -> VDS!!
    Mir gibt schon zu denken, daß wir uns hier zwar in kritischen Medien bewegen und uns auch entsprechend informieren, was aber anscheinend nur auf einen kleinen Teil der Bevölkerung zutrifft, vielleicht so 5%. Bei der Masse von Lügen, Verschleierungen, Lobbyismus, Hetzereien u.a. hätts doch schon lange knallen müssen!

  6. Tethaam 26. November 2010 um 08:42 Uhr

    Gibt es das Paper / die Studie des kriminalwissenschaftlichen Institutes der Universitaet Hannover irgendwo online der anderweitig verfuegbar?

  7. Thomas Brückam 26. November 2010 um 14:52 Uhr

    Hallo zusammen,
    die eigentliche Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und ist viel plausibler und lapidarer als man zu glauben wagt…
    Ich wage mal einen Vergleich zu meinem beruflichen Umfeld. Ich bin als IT- Spezialist im Support tätig und mein Clientel umfasst ausschließlich hochbezahlte „Consultants“ und „Developper“ aus der Software- Branche. An der Spitze unserer IT- Infrastruktur, die für deutsche Verhältnisse gewaltig ist, steht ein Chef (neudeutsch CIO), der ein Betriebswirtschaftler ist. Technische „Missgeschicke“ sind da vorprogrammiert. An der Spitze unseres Staatsapparates stehen auch weitgehend Leute, die von der Materie, für welche sie verantwortlich sind, quasi keine Ahnung besitzen. Während ein Facharbeiter Qualifikationen vorlegen muss, um einen 1500 € Job zu bekommen, wofür sein Lebensalter nicht ausreicht, diese zu erlangen, reicht es aus, „nichts“ zu können, um Abgeordneter zu werden. Bestes Beispiel wäre da das sog. „Ministerposten- Hopping“ – von Familienministerin zur Arbeitsministerin. Um Verteidigungsminister (Ausnahmen gab es zuweilen) musste der Betreffende nicht zwangsläufig zuvor Wehrdienst geleistet haben…
    Justizminister war meines Wissens ausnahmslos immer ein Jurist, was nicht verwunderlich erscheint, weil diese Berufsgruupe den Löwenanteil an Ministerposten schon immer besetzt hat. Der ideale Arbeitsminister wäre doch demzufolge ein Langzeitarbeitsloser…
    Am Ende der „Nahrungskette“ befinden sich nicht diejenigen, die sich für die hochbezahlten Posten redlich qualifiziert hätten, sondern diejenigen, die sich dorthin „gevetternwirtschaftet“ haben. Um auf mein berufliches Umfeld zurück zu kommen. Wer bei uns gute Arbeit abliefert und sich als kompentent erweist, wird nie einen beruflichen Aufstieg erreichen. Man könnte es sich schlicht nicht leisten, Produktivkräfte auf hochbezahlte Inproduktivstellen zu verlieren. Wer vesagt, wird weggelobt und erhält eine Führungstätigkeit. Ich behaupte mal, das ist flächendeckend so zu beobachten. Wen wundert’s da noch, dass in unserer Republik der Schwachsinn regiert. Die Korruption hat unseren Staatsapparat fest im Griff, nur so ist erklärlich, dass alles so läuft, wie es läuft…nämlich gewaltig falsch.

    Gruß von
    http://www.guedesweiler.wordpress.com

  8. freeam 26. November 2010 um 15:21 Uhr

    @ mcbrx

    Ist nicht meine Statistik du, habe das nur als kleines Beispiel genannt aus einem kleinen Teilsystem des Betrugssystems.
    Die offiziellen Arbeitslosenzahlen sind ein anderes. Ursula weiss nur allzu genau welche Wirkung sie mit den von ihr kürzlich präsentierten Zahlen in der Bevölkerung hervorruft (3 Mill. Arbeitslose). Sie weiss auch dass diese Wirkung in der Bevölkerung konträr zur tatsächlichen Situation am Arbeitsmarkt steht, jedoch nimmt sie das bewusst in Kauf. Da sie aber laut Amtseid dem Volk verpflichtet ist und diesem bewusst ein X für ein U vormacht (eine Verwandte von mir ist beim Arbeitsamt beschäftigt, auf die Frage was sie so macht: „So 90% meiner Zeit verbringe ich mit dem fälschen von Statistiken.“).
    Aber hat jemand jemals den Mut gehabt so jemanden wir Ursula wegen „Betrug“ anzuzeigen in diesem Land?
    Dem stehen schon unsere von der Politik eingesetzten und beförderten Richter entgegen.

    MCBRX unser Problem ist vielleicht teilweise eine abhängige Presse, aber das ist auch nur eines der Symptome. Die Ursache liegt vielmehr in der unzureichenden Kontrolle durch das Volk aufgrund einer ausser Kraft gesetzen Gewaltenteilung. Da ist die Ursache zu suchen. Darin liegt der Schlüssel zur Macht unserer formell und informell Regierenden.

    Mit Seiten wie z. Bsp. „Wikileaks“ oder auch dem Internet allgemein wächst gerade eine weitere eher unabhängige Neue Gewalt heran und diese wird, nicht zu Unrecht, von jenen gefürchtet und es gilt dieser Neuen Gewalt noch bevor sie sich richtig entwickelt hat, die Grundlage zu entziehen. Eben dazu muss man den Internetnutzern die Anonymität nehmen, denn wer nicht anonym ist der plaudert auch nicht aus dem Nähkästchen. Mit Filtern, Sperrlisten oder gezieltem ausspionieren lassen sich dann noch die übrigen resistente Rebellen leicht unschädlich machen und der Machterhalt ist gesichert. Mich würde es nicht wundern wenn Leute wie Herr Tauss eben gerade deswegen aus dem Weg geräumt werden müssen, weil sie Stolpersteine auf dem Weg dieses Planes darstellen.

    Meiner Ansicht nach geht es bei den Bedrohungskampagnen im Bereich Terrorismus, Kinderprornografie…… eben nur um die rechtzeitige Entschärfung dieser neuen Gewalt, auch deren Schwert soll Stumpf gemacht werden.
    Am erschreckendsten ist aber, dass dies sich nicht nur auf ein Land bezieht, sondern überall auf der Welt die Mächtigen mehr oder weniger an einem Strang zu ziehen scheinen.

    lg free

  9. karam 27. November 2010 um 10:31 Uhr

    Passt zwar nicht direkt zum eigentlichen Thema, aber die Frage, die man sich hier stellt, ob Institutionen nicht auf dem besten Wege sind, hart erarbeitetes Vertrauen zu erschüttern, sollte in der Tat umfassender gestellt werden…

    Ich möchte an der Stelle auf ein denkwürdiges Interview der Frankfurter Rundschau mit dem Diplomaten Wolfgang Ischinger hinweisen. Dieses Interview wurde im Eindruck bevorstehender Veröffentlichungen durch das Enthüllungsprojekt Wikileaks von bis zu 2,8 Mio Dokumenten v, US-Amerikanischen Diplomaten geführt.

    Der interviewte Diplomat Ischinger gab unter anderem an: „Nehmen wir einmal an, Deutschland steht vor Verhandlungen über ein wichtiges Thema mit einem anderen Land. Dann ist es die Aufgabe unserer dortigen Botschaft herauszufinden, wo sind die Schwachpunkte der anderen Seite. Ist da einer angreifbar, der Trunksucht verfallen, für Korruption anfällig oder sonst was. Da müssen Dinge betrachtet und benannt werden, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.“

    Dieses Interview finde ich sehr interessant, denn ein Diplomat vertritt doch einen Staat und dessen Wertvorstellungen vor anderen Staaten. Und wenn es Wertvorstellungen gibt, die Datenerhebungen, die höchstenfalls für Bestechungen und Erpressungen geeignet sind, als Option verwenden, dann fragt man sich, wird hier völkerrechtlich einwandfreie Diplomatie betrieben oder wird mit zweifelhaften Methoden gearbeitet?

    Da es sich bei dem Interviewten Ex-Diplomaten um einen Deutschen Diplomaten handelt, sind in der Tat kritische Fragen über die Wahrnehmung Deutscher Diplomaten und der Deutschen Aussenpolitik mehr als angebracht, wie ich finde. Zur Person Wolfgang Ischinger und dessen Tätigkeiten verweise ich auf Wikipedia:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Ischinger

    In der Tat ist es so, wenn sojemand wie Herr Ischinger sich vor möglichen Enthüllungen v. Diplomatenpost eines anderen Landes so im Sinne v. geheimer, diplomatischer Bestechung/Erpressung äußert, müsste es eigentlich in Deutschland zeitnah einen Untersuchungsausschuss geben, der die dienstlichen Tätigkeiten Deutscher Diplomaten (einschl. derer Wolfgang Ischingers) untersucht. Leider ist davon aber noch gar nichts zu hören.

  10. karam 27. November 2010 um 10:32 Uhr

    Quelle des Interviews:
    http://www.fr-online.de/politik/-das-geheimnis-muss-sein-/-/1472596/4873818/-/index.html

  11. freeam 27. November 2010 um 19:05 Uhr

    @kar
    Tja wer will sich auch schon in die Karten kucken lassen wenn er nach dem Prinzip „Der Zweck heiligt die Mittel“ verfährt.
    Überlegen wir uns einmal wie uns unser heissgeliebtes Fussball, Formel 1, Olympischen Spiele …… gefallen würde wenn wir dort überall diese Formel „Der Zweck heiligt die Mittel“ anwenden würden.
    Wir müssen uns entscheiden, wollen wir einen ehrlichen Wettkampf um sportliche Leistungen oder einen Wettkampf um den cleversten und rücksichtslosesten Betrüger!

    Oder in der Wirtschaft: Wenn nicht der gewinnt der die größte Leistung erschafft, sondern der der andere am cleversten betrügt. Was wäre das jeweilige Ergebniss?

    Vielleicht sollte man sich mal unter diesen Aspekten eine eigene Meinung zur „Geheimdiplomatie“ bilden.