Die Bosbach-Milliarden

Aktualisierung 28.10.2010:

BKA: ….Eine seriöse und belastbare Hochrechnung der Gesamtumsätze von kinder- oder jugendpornografischen Internetinhalten ist aus Sicht der zuständigen Fachabteilung nicht möglich….

Immer wieder wies mein Freund und Unionspolitiker Wolfgang Bosbach, MdB, aus Talkshows, Funk & Fernsehen bekannter Vorsitzender des Innenausschusses, auf den „Milliardenmarkt Kinderpornografie“ hin. Ich gab ihm mehrfach hinreichend Gelegenheit, diese falsche Behauptung zu korrigieren. Am Schluss mochte er mir jedoch gar nicht mehr schreiben, sondern verwies mich an andere Mitglieder des Deutschen Bundestages, die „lieber mit mir korrespondieren wollten“. Dummerweise sind die mir aber namentlich leider auch nicht bekannt. Sie dürfen sich jedoch jederzeit bei mir melden<Ironie>. Doch zurück zur Milliardenfrage und zu Bosbachs Antworten:

…im übrigen habe ich Ihre Frage bereits beantwortet und wenn ich die Unterlage zur Hand hätte, hätte ich Ihnen auch gerne auch noch die präzise Quelle genannt. Für Sie bin ich aber nun wirklich nicht bereit, umfangreiche Recherchen anzustellen oder gar den Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages zu behelligen und wenn Sie an dem Thema ein so großes Interesse haben, dann sind Sie sicherlich in der Lage diesbezüglich die notwendigen Recherchen anzustellen, denn so viele Polizeigewerkschaften gibt es ja nun wirklich nicht…

Au Backe! Da ist einer schon beinahe verstimmt. Umfangreiche Recherchen zu einem ernsten Thema sind von Abgeordneten aber auch wirklich zu viel verlangt, zumal sie einem bekanntlich zu 15 Monaten Haft mit Bewährung verhelfen können. Also wandte ich mich bezüglich des Sachverhalts zu Bosbachs Milliardenmarkt und wie von ihm empfohlen an die Polizeigewerkschaften, von denen er wenigstens noch wusste, dass sie ihn auf das Gleis gehoben haben. Denn Bosbach schrieb mir:

…in obiger Sache beziehe ich mich auf Ihre E-Mail vom 05.10.2010 und teile wunschgemäß mit, dass sich meine Auskunft entweder auf das periodische Magazin des BDK beziehen muss oder aber auf die Monatszeitschrift der Deutschen Polizeigewerkschaft, denn diese beiden Publikationen werden (auch) mir regelmäßig zugesandt…

Auch dort wusste aber leider niemand, wo das mit dem Milliardenmarkt gestanden haben soll. Da mir das Landgericht Karlsruhe in Zusammenhang mit der gegen mich gerichteten Justizposse aber aufgegeben hat, mich immer bei den „richtigen Stellen“ zu erkundigen, wandte ich mich also zusätzlich an unser aller Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Das kann ja nie verkehrt sein:

…Daher meine Anfrage (unter Bezug auf Bosbach), ob Sie Erkenntnisse über einen Milliardenmarkt (oder auch nur Millionenmarkt) zum Thema Kinderpornografie im web vorliegen haben und wäre Ihnen ggf. für die Überlassung von Informationen oder entsprechende Studien etc. dankbar…

Die Antwort des BKA:

Sehr geehrter Herr Tauss, …..mit der im Bezug genannten E-Mail vom 14. 10. 2010 sind Sie an das Bundeskriminalamt herangetreten und erbitten Erkenntnisse zum „Massenmarkt/Millionenmarkt Kinderpornografie“. Zu Ihrer ….. Frage liegen dem Bundeskriminalamt Erkenntnisse aus verschiedenen nationalen sowie internationalen Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit der kommerziellen Verbreitung von Kinder- bzw. Jugendpornografie vor, die Umsätze im Bereich mehrerer Millionen Euro beinhalten (Ki 35 301 – 287510)

Damit sind Bosbachs Milliarden endgültig geplatzt! Immerhin ist eine Milliarde gleich 1.000 Millionen, was natürlich durchaus schon an mehrere Millionen herankommen kann. Dennoch viel Platz nach oben. Deshalb habe ich beim BKA heute auch nochmals nachgefragt (hoffentlich nerve ich die nicht auch noch):

…interessieren würde mich natürlich dennoch, in welcher Dimension sich denn die von Ihnen genannten „mehreren Millionen“ bewegen. Das hört sich eher nach einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag an (also ist es ein hoher oder niederer einstelliger, zweistelliger, dreistelliger Millionenbetrag)?  Es kommt mir wirklich nicht auf die eine oder andere Million an, sondern es geht um die Einschätzung. Besten Dank!…

Schon die jetzt vorliegende Antwort weicht aber von dem ab, was unabhängige Untersuchungen ergeben haben und sie wird deshalb nachgetragen….

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-Kinderpornographie-im-Netz-kein-grosses-Geschaeft-1097294.html

Am 28. 10. 2010 teilte mir das BKA (wie oben unter Aktuell bereits vermerkt) mit:

„…Eine seriöse und belastbare Hochrechnung der Gesamtumsätze von kinder- oder jugendpornografischen Internetinhalten ist aus Sicht der zuständigen Fachabteilung nicht möglich…

Herrn Ziercke kann ich hierzu und zu anderen Themen leider nicht selbst befragen, denn zu meinem grossen Bedauern lehnte man seitens des BKA auch meine Bitte um ein Interview ab :))

Die Möglichkeit, mit Herrn Ziercke ein Interview zu führen, besteht nicht.

Schnüff. Hoffentlich ist der nicht auch noch sauer auf mich? Aber es soll ja außer Bosbach noch andere geben, die es mit Millionen und Milliarden nicht ganz so genau nehmen:

Weitere Anfragen zum Thema „Massenmarkt / Millionenmarkt“ habe ich deshalb auch bereits vor Wochen an „Innocence in Danger„, den SPIEGEL, die Deutsche Kinderhilfe und an die deutsche UNICEF gerichtet.

Wen wundert’s: Weder erfolgte eine Antwort der Genannten noch eine Korrektur bislang falscher öffentlicher Behauptungen. Wie auch bei Herrn Bosbach, von dem schon die Schwäbische Zeitung zu berichten wusste: „er wisse als Vorsitzender des Innenausschusses wie nur wenige in diesem Land worüber er spricht.“ Offensichtlich wissen aber zumindest nicht alle Journalisten dieses Blattes und gelegentlich wohl auch anderer Blätter worüber sie schreiben;)

8 Gedanken zu „Die Bosbach-Milliarden

  1. Caroline Kaiser

    Für Jugendpornographie hat man – sozusagen retrospektiv – valide Statistiken, z.B. in der niederländischen Handelskammer. Retrospektiv deshalb, weil der Verkauf ja nur bis Herbst 2002 in den NL legal war.
    Es gibt schon Zahlenmaterial, auf welches ja INTERPOL auch zugreift, z.B. die Datenbanken von COPINE.

    Übrigens müßte auch die deutsche GüFA da einiges zu beitragen können.
    Die „einschlägigen jugendpornographischen Werke“ werden sie ja sicher nach Inkrafttretung des
    Gesetzes vernichtet haben.

    Antwort tauss: Diese Zahlen gibt es durchaus, wobei auch hier natürlich Zahlen wegen der Rechtsprechung in unterschiedlichen Ländern schwanken (z.B. ist der Lolita-Schinken „Spielen wir Liebe“ in D verboten, ist Österreich bereits erlaubt). Dessen ungeachtet hat dies aber auch nichts, selbst wenn man diesen Markt berücksichtigt, mit irgendeinem Milliardenmarkt Kinderpornografie zu tun.

  2. Andrea

    Danke Herr Tauss, auch wenn sich mir die Sachlage schon vorher so darstellte, ist es doch angenehm, dass Ihre Recherchen das Bild erneut abrunden.

    @njorgorg
    Ich kann nur sagen, dass es heute relativ oft vorkommt (zu oft für einen Rechtsstaat), dass das Recht missbraucht wird, um Menschen Ungerechtigkeit zuteil werden zu lassen. Ich bin selbst schon in das Kreuzfeuer korrupter Polizisten, Gutachter und Richter geraten und habe das Vertrauen in unser Rechtssystem komplett verloren. Insgesammt habe ich 6 Jahre gebraucht, um mich von einer Rechtsposse, die wohl nur dazu diente, Polizeibeamte schadlos zu halten, zu erhohlen. Auch wenn ich nicht mit Sicherheit sagen kann, ob Herr Tauss, im Sinne der Anklage, unschuldig ist, halte ich es dennoch für sehr wahrscheinlich. Ich kann mir gut vorstellen, dass es, für gewisse Personen, genug Gründe gab, um Herrn Tauss unschädlich zu machen.

  3. njorgorg

    @ Michael H.
    Wenn ich zu Unrecht wegen Besitz und Verbreitung von kinderpornographie verurteilt würde, würde mir das auch keine Ruhe lassen. Ich würde genauso meinen guten Ruf wieder herstellen wollen.
    Wenn Herrn Tauss da nebenbei auch noch gelingt, die eigentlichen Verbreitungswege von Kinderpornographie öffentlich bekannt zu machen, kann diese effektiver bekämpft und weniger zur politischen Profilierung missbraucht werden.

    @ Herr Tauss
    Was ich für mich schade finde, ist, dass ich wohl nie einigermaßen sicher sein werde, ob sie schuldig sind oder nicht. Ich hoffe sehr, dass nicht – und diese Hoffnung passt zu meinem Bild von ihnen. Allerdings gibt es keine Wege, dies nachzuprüfen.
    Bitte bohren sie weiter nach, auf dass irgendwann ein deutlicher Hinweis für ihre Unschuld ans Licht komme.

    Anmerkung tauss: Natürlich werde nur ich abschliessend wissen, wie es wirklich war. Deshalb erlaube ich mir auch, nicht in Sack und Asche zu gehen

  4. Michael H.

    Mein Gott, Herr Tauss,

    was soll denn dieser Quatsch schon wieder? In Sachen Kinderpornografie sind Sie rechtskräftig verurteilt und dann haben Sie die Chuzpe dieses Thema in Ihrem Blog schon wieder breitzutreten. Beschäftigen Sie sich mit anderen Themen, wenn Sie der Meinung sind, dass die Welt Ihre Stellungsnahmen braucht. Oder soll dieses Herumtänzeln um das schmierige Thema noch nachträglich Ihre angebliche Observierungstätigkeiten in der Kinderpornoszene legitimieren, die Sie als Begründung für den Besitz einschlägiger Bilder herangezogen haben?
    Sie haben ausreichend bewiesen, dass Sie sich in dieser Materie auskennen …
    Es gibt noch genügend andere Themen in Sachen Internet, wo Sie sich austoben können.

    Michael H.

    Anmerkung tauss: Ich habe schon mehrfach ausgeführt, dass der Wunsch, mich mundtot zu machen, auch durch Karlsruher Justizpossen nicht in Erfüllung geht 😉

  5. Jörg Rupp

    Denkbar wäre ja auch, dass man es wie Wirtschaftsminister Brüderle macht: „also das waren zu DM-Zeiten mehrere Doppelmillionen“. Oder so.

  6. Philipp

    Hauptsache da kommen nicht noch Brutto und Netto Rechnungen dazu, damit haben es die hohen Politiker ja nicht so

  7. Jürgen Mayer

    Vielen Dank Herr Tauss für Ihre Mühe und Hartnäckigkeit!
    Endlich einmal auch aus meiner Sicht eine zitier- wie greifbare Angabe. Meine Höchstachtung

  8. Kiko

    Naja, dass das Methode hat, ist ja nun wirklich nicht zu übersehen. Schlimm an der Sache ist nur, dass mit Herrn Bosbach jemand zum Sprachrohr gemacht wird, der bereits mehrmals seine fachliche Inkompetenz in Sachen Internet bewiesen hat … was bei näherem Hinsehen auch wieder gut ist, denn man durchschaut das sinnfreie Gebrabbel relativ schnell und ist vielleicht geneigt bei der nächsten Wahl der Piratenpartei die Stimme zu geben.

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